Würzburg stürmt ins play-off halbfinale – hamburg schon jetzt in der krise?

Die Fitness First Würzburg Baskets haben sich am vorletzten Spieltag mit einem deutlichen 90:73-Erfolg gegen die Veolia Towers Hamburg einen Platz im Play-off Viertelfinale der Easycredit BBL gesichert. Für Hamburg hingegen deutet bereits jetzt ein Saisonende im freien Fall an – und das trotz eines durchaus anständigen Starts ins Spiel.

Ein bus, der längst abgefahren ist

Trainer Benka Barloschky hatte seine Mannschaft mit einem ungewöhnlichen Vergleich motivieren wollen: ein Bus, den es zu erreichen gilt. Doch die Towers schienen den Anschluss bereits verpasst zu haben. „Wir haben uns ein Bild kreiert von einem Bus, den wir noch erreichen wollen. Der steht quasi schon an der Haltestelle und wir müssen nur hin. Also war es das Ziel, so schnell wie möglich zu sprinten, um einsteigen zu können – unabhängig davon, ob wir wissen, ob wir ihn erreichen oder er noch wegfährt.“ Eine poetische Vorstellung, die in der Realität jedoch nicht standhielt.

Würzburg setzte sich früh und deutlich ab. Ein 9:0-Lauf im ersten Viertel brachte den ersten Vorsprung, den die Gäste bis ins zweite Viertel ausbauten. Die Hamburger Defensive wirkte angesichts der Würzburger Angriffsgeschwindigkeit ideenlos und hilflos. Dyn-Kommentator Stefan Koch brachte es auf den Punkt: „Es wird hier ein bisschen Einbahnstraßen-Basketball.“ Die Würzburger führten zwischenzeitlich mit 24 Punkten – ein deutliches Zeichen der Überlegenheit.

Obwohl die Towers im weiteren Verlauf noch einmal aufschlossen, konnten die Würzburg Baskets den Sieg souverän über die Ziellinie bringen. Marcus Carr glänzte mit 31 Punkten für Würzburg, während Devon Daniels mit 22 Zählern die Hamburger Seite anführte. Ein kleiner Schönheitsfehler: Ex-Tower Brae Ivey musste das Spiel aufgrund einer Verletzung verlassen.

Hamburgs abschiedsfest und ein ungewisses zukunftsbild

Hamburgs abschiedsfest und ein ungewisses zukunftsbild

Während Würzburg die Play-offs ernsthaft in Angriff nehmen kann, scheint in Hamburg bereits die Abrechnung begonnen zu haben. Trikots der Saison wurden zum halben Preis verramscht – ein Zeichen für die Enttäuschung und der bevorstehenden Veränderungen. Für zahlreiche Spieler, darunter Benedikt Turudic (29), Niklas Wimberg (30) und Devon Daniels (27), steht am Ende der Saison das Aus bevor.

Die finanzielle Situation spielt eine entscheidende Rolle. Topscorer Daniels ist angesichts seiner Leistungen kaum zu halten, während Wimberg und Turudic erhebliche Gehaltseinbußen in Kauf nehmen müssten, um zu bleiben. Auch das Talent Perrin wird aller Voraussicht nach eine Ausstiegsklausel ziehen und gegen Ablöse wechseln. Jared Grey hat bereits seinen Wechsel an die High Point University bestätigt. Und dann ist da noch Ross Williams, dessen Vertrag entgegen offizieller Angaben doch bis 2027 läuft – eine überraschende Wendung, die weitere Fragen aufwirft.

Die Towers stehen vor einem kompletten Neuaufbau. Am Sonntag müssen sie noch in Rostock ran, bevor sie sich am Mittwoch offiziell von ihren Fans verabschieden. Doch der Blick gilt bereits der nächsten Saison – einer, die mit großer Wahrscheinlichkeit ein ganz anderes Gesicht haben wird.