Van aert-ausfall: vingegaard-ambitionen schwer getroffen
Ein Schock für das Team Visma-Lease a Bike: Wout van Aert, einer der Schlüsselspieler im Kampf um den Toursieg, wird aufgrund einer Ellbogenverletzung die diesjährige Tour de France verpassen. Der Ausfall des belgischen Allrounders trifft Jonas Vingegaard und sein Team hart – und wirft Fragen nach ihren Siegchancen auf.
Ein rückschlag für die titelverteidigung
Van Aerts Verletzung, entstanden bei einem Trainingssturz in der Tour Auvergne-Rhône-Alpes, komplizierte sich im weiteren Verlauf, sodass eine Teilnahme an der Frankreich-Rundfahrt unmöglich wurde. Der amtierende Paris-Roubaix-Sieger verlässt die Rennen somit vorzeitig. Die Eurosport-Experten Jens Voigt und Rolf Aldag sehen in diesem Ausfall einen immensen Verlust für das Team, der weit über den reinen Verlust eines Fahrers hinausgeht.
"Visma wird Wout van Aert von der ersten Etappe an vermissen – bereits beim Mannschaftszeitfahren", kommentiert Voigt. "Er verleiht der Mannschaft Sicherheit, Ruhe und Stabilität. Mit van Aert im Team fühlt sich alles machbar." Aldag ergänzt, dass van Aert mehr als nur ein Fahrer sei: "Er ist der Fels in der Brandung. Wenn es Unruhe gibt, Stürze passieren oder die Rennsituation sich ändert, ist er zur Stelle."

Van aerts vielseitigkeit – ein unschätzbarer wert
Van Aert ist seit 2019 bei Visma und sammelte in dieser Zeit zehn Etappensiege bei der Tour ein. Seine Vielseitigkeit ist legendär: Er kann sowohl in den Bergen als auch im Flachen Leistung erbringen, sprinten, Positionen sichern und das Rennen lesen. "Solche Fahrer sind für eine Mannschaft von unschätzbarem Wert“, so Voigt.
Aber der sportliche Verlust ist nicht der einzige. Aldag betont den menschlichen Aspekt: "Als Mensch wird van Aert dem Team sehr fehlen, weil er aus meiner Sicht der herausragende Kapitän ist. Er ist auch eine Art verlängerter Arm des Managements, gibt direktes Feedback und hilft bei wichtigen Entscheidungen. Das lässt sich nicht von heute auf morgen ersetzen.“ Der Abgang des sportlichen Leiters Grischa Niermann, der im September zu Lidl-Trek wechselt, erschwert die Situation zusätzlich.

Pogacar im visier – kann vingegaard ohne van aert bestehen?
Trotz des Ausfalls von van Aert hält Aldag an den Siegchancen von Vingegaard fest. "Die Mannschaft wird das sportlich kompensieren können, denn sie ist in der Breite sehr stark aufgestellt.“ Für van Aert rückt der italienische Kletterer Davide Piganzoli ins Team. „Letztendlich wird es im Hochgebirge gegen Pogacar entschieden, da spielt van Aert eine deutlich kleinere Rolle“, analysiert Aldag. Das Team muss nun auf die Unterstützung von Fahrern wie Sepp Kuss und Matteo Jorgenson setzen, um Vingegaard zum zweiten Toursieg nach 2023 zu führen.
Die Tour de France 2026 verspricht trotz aller Widrigkeiten ein packendes Rennen zu werden. Es bleibt abzuwarten, ob Vingegaard ohne seinen verlässlichen Helfern die Dominanz von Pogacar brechen kann. Die kommenden Tage werden zeigen, ob Visma die Lücke, die van Aerts Ausfall hinterlässt, wirklich füllen kann.
