Olympia 2036: ioc krempelt bewerbungsprozess – deutschland im rennen
Lausanne – Die Vergabe Olympischer Spiele wird zukunftsweisend anders aussehen. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat am Mittwoch eine umfassende Reform des Bewerbungsprozesses beschlossen, die Deutschland, das sich für die Sommerspiele 2036, 2040 und 2044 bewirbt, vor neue Herausforderungen stellt. Der Fokus liegt nun auf einer stärkeren Einbindung aller IOC-Mitglieder und einer effizienteren Vorauswahl der potenziellen Gastgeberstädte.

Neuer weg: strategischer dialog statt dauergespräche
Unter der Leitung von IOC-Präsidentin Kirsty Coventry wird der bisherige, von Thomas Bach etablierte „kontinuierliche Dialog“ aufgegeben. Stattdessen sieht das neue Modell eine mehrstufige Vorgehensweise vor. Zunächst kommt der „strategische Dialog“, in dem die Bewerberstädte, darunter auch Deutschland, vor der IOC-Exekutive ihre Konzepte präsentieren. Ziel ist eine Reduzierung des Bewerberfeldes auf eine handvoll ernsthafter Kandidaten.
Die deutsche Seite, allen voran der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), begrüßt die Reform grundsätzlich. DOSB-Präsident Thomas Weikert hatte bereits vor der Entscheidung erklärt, dass er sich von einem klareren und strukturierteren Prozess erhofft. „Wir erwarten, dass es für alle an der Ausrichtung interessierten Kandidaten noch einmal mehr Orientierung geben wird“, so Weikert.
Anschließend folgt der „gezielte Dialog“, in dem die verbleibenden Bewerber direkt mit allen 104 IOC-Mitgliedern in Kontakt treten. Die finale Entscheidung über die Ausrichterstadt für 2036 soll dann 2029 fallen. Diese Neuordnung soll verhindern, dass die Vergabe wieder zu einem reinen Ja/Nein-Votum durch die Vollversammlung wird, wie es in den vergangenen Jahren bei der Vergabe der Spiele 2030 (Französische Alpen), 2032 (Brisbane) und 2034 (Salt Lake City) der Fall war.
Ein entscheidender Punkt ist die stärkere Einbindung der IOC-Mitglieder, die bisher oft nur am Ende des Prozesses eine Rolle spielten. Diese Neuausrichtung soll die Glaubwürdigkeit des IOC stärken und die Transparenz der Vergabe erhöhen. Deutschland muss sich nun darauf vorbereiten, seine Ambitionen im strategischen Dialog überzeugend zu präsentieren. Die Entscheidung über die deutsche Bewerberstadt oder -region fällt bereits am 26. September in Baden-Baden, wo Berlin, München und Köln/Rhein-Ruhr gegeneinander antreten.
Die Reform des IOC markiert einen Wendepunkt in der Geschichte der Olympischen Bewerbungsprozesse. Die kommenden Monate werden zeigen, ob Deutschland die neuen Anforderungen erfüllt und seine Chancen auf die Ausrichtung der Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 wahren kann. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, und der Wettlauf um Olympia hat offiziell eine neue Runde eingeläutet – mit klaren Regeln und einem neuen Spielfeld.
