Ukraine schlägt der paralympics-show die tür vor der nase zu

Kurz vor dem Finale in Cortina d'Ampezzo schlägt die Ukraine noch einmal mit der Faust auf den Tisch. Keine Flagge, keine Delegation, kein Blick auf die Arena – Sonntagabend bleibt der Stuhl ukrainisch leer. „Nein, niemals. Da wird die Flagge eines Staatsmörders gehisst“, sagt Walerij Suschkewytsch, Präsident des Nationalen Paralympischen Komitees, auf die Frage nach einer Teilnahme an der Abschlussfeier. Der Satz knallt wie ein Eishockeycheck gegen die Bande.

Der boykott wird zum ritual

Schon bei der Eröffnung war ukrainisches Blau-Gelb nur auf Fotowänden zu sehen. Jetzt ziehen sie den Stecker komplett – und Litauen geht mit. „Wir sind zutiefst enttäuscht“, sagt die litauische Delegation, als wäre Enttäuschung das neue Nationalgefühl der Spiele. Auch Tschechien, Estland, Finnland, Lettland, Polen – sie alle blieben bei der Auftaktshow fern, nur 28 von 55 Nationen marschierten ein. Die Curling-Halle in Cortina wird am Sonntag um 20.30 Uhr trotzdem voll sein, aber mit Lücken im Block.

Deutschland schickt diesmal echte Athleten. Andrea Rothfuss, die Alpine-Queen mit den Stumpfen Beinen, und Snowboarder Christian Schmiedt tragen die Schwarz-Rot-Gold-Fahne. Nach der peinlichen Fernbleich-Panne bei der Eröffnung ist das ein kleiner PR-Flicken. „Wir wollen Sportler ins Zentrum rücken“, heißt es aus dem Team. Klingt wie ein Versprechen an die eigene PR-Abteilung.

Putin-medaillen und der geschmack von asche

Putin-medaillen und der geschmack von asche

Suschkewytsch redet weiter, und jedes Wort brennt. Russische Goldmedaillengewinner hätten ihre Pokale „Putin gewidmet – nicht dem Land“. Für ihn sind das keine Sportler mehr, sondern „Vertreter von Terrorismus, Krieg und militärischen Angriffen“. Die IPC hatte Russland und Belarus unter Auflagen zurückgeholt – doch die Auflagen verpuffen im Klang von Nationalhymnen. Linn Kazmaier, deutsche Silber-Sprinterin, zeigte bei ihrer Medaillenfeier demonstrativ den Daumen runter. Die Bilder gingen um die Welt, die Diskussion auch.

Die Paralympics 2026 enden also nicht mit einem Feuerwerk, sondern mit einem Schatten. Ein Drittel der Nationen fehlt beim großen Finale, die übrigen tanzen auf einem Spielfeld, das längst zur politischen Bühne mutiert ist. Sport als Friedensbote? In Cortina klingt das wie ein schlechter Witz.

Um 23.15 Uhr ist die Halle dunkel, die Flutlichter aus. Die letzten Fans strömen Richtung Parkplatz, ein paar Reporter noch, ein ukrainischer Kameramann packt seine Ausrüstung ein. Die Fahne, die er nicht hissen durfte, steckt in seiner Tasche. Größe: 50 mal 30 Zentimeter. Gewicht: eine halbe Tonne politischer Wut.