Traumtor von fischer schleust meuselwitz ins finale – titelverteidiger lebt!

Kopf vor, Rücken zur Brust, rechter Fuß in die Wolken: Luis Fischer schlägt den Ball per Fallrückzieher ins rechte Eck, Christopher Sünkel schaut in die Richtung, aber der Netzkratzer ist schon Realität. 3:1 für den ZFC Meuselwitz beim Underdog aus Bad Frankenhausen, 71. Minute, Schmuddelwetter – und die Groschenbucht in Thüringen jubelt erneut dem Pokal-Trio entgegen.

Der glanzlose sieg, der glänzt

Regionalligist gegen Thüringenligist klingt nach Pflichtaufgabe, doch wer die vergangenen Wochen verfolgte, weiß: Meuselwitz kam angeschlagen. Andy Trübenbach, Fabian Raithel, Felix Pilger fehlten komplett, Cemal Kaymaz & Co. nur Bankwärmer. Dazu zwei Niederlagen im Rückspiegel – da reicht kein Selbstvertrauen aus dem Etikett „Favorit“. Bad Frankenhausen nahm die Einladung an, presste früh, verlagerte schnell und hätte durch Konrad Schneider kurz vor der Pause sogar ausgleichen können. Es roch nach Pokal-Blues.

Doch die Meuselwitzer haben einen verborgenen Hebel: Christoph Pauling. In der 13. Minute stand er am langen Pfosten so blank wie ein nagelneues Trikot, David Pfeil legte quer, Pauling vollstreckt. Führung, 1:0, erste Szene mit Zugang zur Tageslichtkreide. Der Rest der ersten Hälfte war ein Monolog zwischen Sedlak und Sünkel, beide Keeper mussten sich strecken, aber der Ball wollte nicht über die Linie. Die 250 Zuschauer am Wipperufer klatschten sich warm, mehr war nicht drin.

Theo teßmer und der moment, der alles entscheidet

Theo teßmer und der moment, der alles entscheidet

Die zweite Hälfte begann mit dem gleichen Bild: viel Einsatz, wenig Klarheit. Erik Schneider zog ab, Sedlak flog, Bad Frankenhausen roch den Lucky Punch. Dann kam die 69. Minute. Califo Balde, an diesem Tag der einzige Akteur mit Dribbel-Turbo, schickte Theo Teßmer auf die Reise. 24 Meter, halblinks, kein Gegner mehr in Reichweite – flache Rakete, unten rechts, 2:0. Die Gästekabine zog sich die Kapuze tiefer, die Hausherren spürten den K.-o.-Hieb.

Der Höhepunkt folgte postwendend. Wieder Balde, diesmal Flanke von links. Luis Fischer nahm den Ball mit der Brust mit, ließ ihn fallen, dreht sich, trifft mit dem Rücken zur gegnerischen Kurve. Fallrückzieher, 3:0, Traumtor-Alarm in Thüringen. Sünkel war diesmal nur Statist, das Netz bebte, die Bank explodierte. Solche Tore schreibt man nicht auf Anfrage, die fallen vom Himmel – oder eben vom Fußgelenk.

Elfmeter spät, applaus trotzdem

Elfmeter spät, applaus trotzdem

Bad Frankenhausen gab nicht auf. Konrad Schneider verwandelte in der Nachspielzeit einen Elfmeter nach Handspiel, 3:1. Es war der Lohn für eine aufopferungsvolle Leistung, die in anderen Spielen vielleicht sogar den Sprung in die Verlängerung bedeutet hätte. Doch am Ende steht Meuselwitz wieder im Finale – zum dritten Mal in Folge. Rekord? Nein. Signal? Auf jeden Fall.

Die Entscheidung über den Endspielort fällt am Sonntag. Siegt Rot-Weiß Erfurt im zweiten Halbfinale gegen Carl Zeiss Jena, gastiert der ZFC auf heimischem Rasen. Siegt Jena, fährt Meuselwitz zum Auswärtsspiel nach Erfurt. Was bleibt, ist das Bild von Luis Fischer, der sich in die Luft wirft und den Ball mit sich nimmt – und die Gewissheit, dass der Titelverteidiger noch lange nicht fertig ist mit diesem Pokalwettbewerb.