Tottenham-fans rebellieren gegen de zerbi – sein schützling greenwood spaltet die liga

Roberto De Zerbi will den Tottenham-Job erst im Sommer, wenn überhaupt. Dann aber droht ihm ein Empfang, bei dem nicht der Sektkorken knallt, sondern der Protest der eigenen Anhänger. Drei Fan-Gruppen – Proud Lilywhites, Women of the Lane und Spurs Race – haben sich gestern öffentlich gegen die Verpflichtung des Italieners ausgesprochen. Grund: seine wiederholte Solidarität mit Mason Greenwood.

Der fall greenwood hängt de zerbi nach england

Der fall greenwood hängt de zerbi nach england

Greenwood war 2022 in Manchester wegen Versuch der Vergewaltigung, Körperverletzung und Kontrollwut angeklagt, das Verfahren wurde später eingestellt. De Zerbi holte ihn nach Marseille, stellte sich schützend vor den Angreifer und sagte im November: „Ich habe einen anderen Menschen kennengelernt als das Bild, das in England gezeichnet wird.“ Genau diese Haltung stinkt vielen Spurs-Fans. Sie fürchten, der Klub würde mit der Personalie De Zerbi jene Inklusionswerte beschädigen, für die sie jahrelang gekämpft haben.

Die Fan-Verbände sprechen von einem „Signal gegenüber Frauen und Minderheiten“, das der künftige Trainer sendet. Ihr Statement: „Ein Trainer formt die Kultur des Vereins. Wer schwere Vorwürfe verharmlost, disqualifiziert sich selbst.“ Die Wortwahl ist unmissverständlich – und sie trifft einen Nerv. Denn Tottenham hat sich in den vergangenen Jahren als Vorzeigeclub für Diversität positioniert. Die Zahlen sprechen für sich: 43 % der Stadionjobs sind mit Frauen oder Personen ethnischer Minderheiten besetzt, laut interner Studie. Ein Rückschritt wäre ökonomisch wie moralisch teuer.

De Zerbi sitzt zwischen den Stühlen. Auf der einen Seite sein Anspruch, Spieler „wie Söhne“ zu beschützen. Auf der anderen Seite die Erwartung, Sensibilität zu zeigen. Der 44-Jährige hat in Marseille Greenwood nicht nur sportlich wieder aufgebaut – er machte ihn zur Leitfigur. 18 Scorerpunkte in 25 Ligaspielen. Genau diese Erfolgsgeschichte nutzen seine Berater jetzt als Referenz. Doch im Boardroom von Tottenham ist die Rechnung komplizierter geworden.

Die Londoner haben De Zerbi weiterhin auf Platz eins der Kandidatenliste, gefolgt von Andoni Iraola und Mauricio Pochettino. Doch die Fan-Revolte zwingt die Bosse um Daniel Levy in die Defensive. Interne Umfragen zeigen: 61 % der Season-Ticket-Inhaber würden eine De-Zerbi-Verpflichtung kritisch sehen. Ein Scoring, das in der Premier League fast so wichtig ist wie die Tordifferenz. Kein Wunder, dass die Verhandlungen auf Sommer vertagt wurden – und jetzt offen sind.

Die Deadline tickt. Sollte Tottenham bis Mai den Klassenerhalt sichern, winkt ein Transferfenster mit 120 Millionen Euro Budget. Davon abhängig: wer das Team trainiert. De Zerbi könnte kommen – oder für immer verlieren. Die Fans haben ihre rote Linie gezogen. Und in Zeiten, in denen Social-Media-Shitstorms Sponsorenverträge kosten, zählt nicht nur die Taktik auf dem Platz, sondern auch die auf der PR-Front. Der italienische Taktikfuchs muss sich entscheiden: Prinzipien wahren oder Karriere riskieren. Die Uhr läuft. Die Lillywhites schauen genau hin.