Wm 2026: gruppendritte tauchen auf, der turnierplan platzt aus allen nähten
32 statt 16 Achtelfinalisten, 104 Spiele statt 64, fast 100 statt 50 Regelseiten – die WM 2026 wirft alle Maßstäte über den Haufen. Erstmals dürfen auch acht Drittplatzierte ins Sechzehntelfinale, und das verändert die Taktik schon in der Vorrunde.
So qualifizieren sich die besten gruppendritten
Die 48 Teams landen in zwölf Vierergruppen. Wer danach punktgleich auf Rang drei liegt, muss nicht packen. Die FIFA sortiert nach Punkten, Tordifferenz und geschossenen Toren; erst danach kommt Fairplay und die Weltrangliste. Das rechnet sich besonders für jene Mannschaften, die ihre Gruppe erst spät beenden – und den Gegner tagelang nicht namentlich kennen.
Beispiel Deutschland: Gewinnt die DFB-Elf Gruppe E, trifft sie im Sechzehntelfinale auf einen dieser acht Dritten – möglicherweise Südkorea, Marokko oder Bosnien-Herzegowina. Landet sie selbst auf Platz drei, winkt bereits ein Gruppensieger wie England oder Portugal. Die Partie würde zwischen 28. Juni und 4. Juli stattfinden, während die letzten Gruppenspiele erst in der Nacht zum 28. Juni enden. Einige Teams warten also vier Tage auf ihren Gegner – und müssen trotzdem reisefit sein.

Der zeitplan droht zu kollabieren
Die Eröffnung fällt auf den 11. Juni 2026 in Mexiko-Stadt, das Finale steigt am 19. Juli in New Jersey. Dazwischen: 38 Tage, 104 Partien, 16 Stadien in drei Ländern. Die FIFA hat sich in ihrem 100-Seiten-Regelwerk 495 mögliche Sechzehntelfinal-Kombinationen ausgerechnet – ein Rechenwerk, das selbst Computer sprengt. Die Logistik wird zum zweiten Spielball; wer hier nicht trifft, fliegt früher raus als gedacht.
Die Botschaft ist klar: Die Gruppenphase ist längst keine Vorbereitung mehr, sondern ein Mini-Turnier für sich. Ein Remis kann reichen, eine Niederlage nicht mehr automatisch das Aus. Und die Fans? Die bekommen 40 zusätzliche Abende Drama – oder 40 zusätzliche Chancen, den Terminkalender durcheinanderzubringen. Die WM 2026 beginnt als Mathe-Examen und endet als Sommermärchen. Nur ohne Märchenstunden vorher.
