Basel jagt kabwit: 100.000-franken-joker wird zum goldesel
Oscar Kabwit rennt derzeit alles über den Haufen – und mit ihm die Kalkulationen mehrerer Klub-Kassen. Der 20-jährige Kongolese liefert beim FC Luzern eine Saison ab, die selbst alte Super-League-Haudegen aufhorchen lässt: zwölf Torbeteiligungen in 18 Spielen, ein Dribbling, das sich anfühlt wie ein Seilwäschezug, und eine Coolness im Strafraum, als hätte er diese Wiesen schon als Kind gemäht.
Die klausel, die luzern zittern lässt
Die Geschichte klingt nach klassischem Underdog-Märchen, doch dahinter versteckt sich ein Business-Knaller. Weil Luzern den Flügelflitzer nur für 100 000 Franken ausleiht, kann der Klub ihn im Sommer für denselben Spottpreis fest verpflichten. Klingt nach Schnäppchen? Ja, aber: verkauft Luzern weiter, kassiert TP Mazembe satte 40 Prozent mit. Eine Ablöse von fünf Millionen würde bedeuten, dass Luzern zwei Millionen sofort weiterreichen muss. Daher die Überlegung, den Preis möglichst hoch zu schrauben – und genau hier fängt der Poker an.
basel hat den Spieler laut 4-4-2.com bereits auf dem Zettel. Kein Wunder: Mit Romelu Lukaku-ähnlicher Physis und der Beschleunigung eines 100-Meter-Sprinters passt Kabwit ins Profil, das die RotBlauen seit Jahren suchen. Le Havre aus Ligue 1 schickt Scout-Kolonnen, ein ukrainischer Topklub soll sogar schon ein Gutachten in Auftrag gegeben haben. Luzern-Chef Bernd Sonntag will sich nicht festlegen: „Wir schauen Spiel für Spiel, alles andere entscheidet sich zwischen den Linien.“

Fricks abschiedsgeschenk
Mario Frick, der scheidende Coach, schwärmt noch einmal ungeniert: „Oscar traut sich das, was sich viele nur in der Playstation trauen.“ Das Selbstvertrauen kam mit den Minuten, die Tore folgten, die Assists ebenso. In der Kabine nennen sie ihn „King Kas“, weil er nach jedem Tor einen kleinen Tanz vollführt, der an die Legendre von Mazembe erinnert.
Die nächsten Wochen werden Luzerns Etatplaner nervös machen. Je besser Kabwit spielt, desto lauter werden die Bieter, desto höher die mögliche Ablöse – und desto größer die rettende Gewinnmarge für einen Klub, der seit Jahren auf Sicherheit bedacht ist. Sollte der Preis über sieben Millionen steigen, winkt Luzern ein Gewinn von fast vier Millionen, genug, um die Nachwuchsakademie zu erweitern und den Kader für die Conference-League-Quali zu verstärken.
Kabwit selbst lächelt nur, wenn Reporter nach seiner Zukunft fragen. „Ich bin hier, um zu gewinnen“, sagt er auf Französisch, „der Rest folgt.“ Dabei hat er noch gar nicht mitbekommen, dass seine eigenen Tore möglicherweise die Finanz-Tabelle der Innerschweizer bewegen – und vielleicht schon bald ein anderes Stadion in helle Aufregung versetzen. Die Kicker in basel, Le Havre oder sonst wo ahnen es schon: Wer jetzt zögert, zahlt später drauf.
