Jahn regensburg entdeckt spät das system der zukunft – zwei siege, ein plan
Plötzlich läuft es. 5:2 in Rostock, 2:1 gegen Hoffenheim II – der SSV Jahn hat zwei Ligasiege nacheinander geholt, das erste Mal seit Oktober. Die Liga hat’s kaum bemerkt, weil Regensburg im Niemandsland der Tabelle verhängt ist. Doch intern hat sich etwas bewegt, das weit über diese Saison hinausweisen könnte.
Die fünferkette war ein notverband
Michael Wimmer hatte die Mannschaft defensiv verpackt, fünf Ketten um den eigenen Strafraum, Punkt. Die Devise: erstmal nicht verlieren. Sascha Hildmann, seit Anfang April an der Linie, zog den Stecker. „Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich gerne mit einer Viererkette agiere“, sagt er nach dem Hoffenheim-Spiel. Die Wende war nicht Laune, sondern Notwendigkeit. Platz elf, 36 Spiele, null Perspektive – das reicht nicht für einen Traditionsklub, der sich schnellstmöglich zurück in den Profifußball katapultieren will.
Die Zahlen sprechen für den Umbruch: In beiden Spielen mit Viererkette erzielte Regensburg sieben Tore, kassierte drei. Die Flügel sind plötzlich doppelt besetzt, die Außenverteidiger rücken früher ein, das Mittelfeld bekommt Optionen statt nur Räume zu verrammeln. „Du kannst ganz andere Räume bespielen“, erklärt Hildmann, ohne dabei wie ein Taktikfuchs zu klingen – eher wie ein Schreiner, der endlich wieder mit scharfen Werkzeugen arbeiten darf.

Nick seidel und robin ziegele sind keine außenbahn-ferarri, das ist gut so
Seidel ist gelernter Innenverteidiger, wurde links außen gestellt, lieferte ein „brutal gutes Profil“, wie Hildmann sagt. Ziegele auf der Gegenseite spielt geradlinig, ohne Schnickschnack. Beide denken Verteidigung zuerst, schalten sich aber schnell ein. Das gibt der Mannschaft Stabilität und verhindert, dass beim ersten Ballverlust gleich ein Konter ins eigene Netz klatscht. Die Cappy, die Hildmann nach einer missglückten Flanke wutentbrannt wegwarf, beweist: Perfektion ist noch nicht erreicht, der Anspruch aber schon da.
Warum erst jetzt? „Ich bin gekommen und wir hatten direkt drei Spiele in einer Woche“, erklärt der Trainer. Automatismen lassen sich nicht in 48 Stunden eintrichtern. Hildmann nutzte die letzten Trainingswochen, um die Bewegungsabläufe zu verankern. Die Spieler folgten, weil sie merken: Mit der Fünferkette waren sie austauschbar, mit der Viererkette plötzlich gefragt.

Jetzt kommt waldhof – und ein blick auf die jugend
Am Samstag geht’s nach Mannheim, danach empfängt Regensburg den Aufstiegskandidaten Energie Cottbus. Zwei Spiele, in denen sich zeigt, ob das neue System Bestand hat oder ob es nur ein kurzer Frühling war. Hildmann kündigt schon an: „Die Spieler haben Spaß dran und deshalb ist das auch der Weg, den wir weiter gehen wollen.“
Auch Jakob Seibold (20) durfte gegen Hoffenheim mitwirken. Es ist ein Fingerzeig: Leistung öffnet Türen, egal wie alt das Talent ist. Die sportliche Leistung muss stimmen, so der Coach, aber er schließt weitere Einsätze nicht aus. Regensburg kann sich keinen teuren Kader leisten, muss Selbstversorger werden. Die Viererkette ist das erste Kapitel, die Jugend könnte das zweite werden.
Die Saison endet am 16. Mai. Dann steht Jahn Regensburg voraussichtlich wieder auf Platz elf. Doch wer genau hinsieht, erkennt: Die Mannschaft hat bereits angefangen, die nächste zu sein. Die Tore, die Cappy im Training, die jungen Gesichter – das ist kein Saisonausklang, sondern ein Aufbruch. Und Aufbrüche vergisst die Liga schnell, wenn sie nicht mit Siegen gepaart sind. Die hat Regensburg gerade zwei geholt. Mehr braucht’s nicht, um die Zweifler zum Schweigen zu bringen.
