Thw kiel schlägt flensburg – doch alle reden nur über samstag

36:29 lautet das Ergebnis, doch die Zahlen täuschen. Der THW Kiel gewann das Nordderby in der European League, doch die Spieler tauschten sich nach dem Schlusspfiff nicht über Tore oder Paraden aus, sondern über einen einzigen Begriff: Samstag.

Ein sieg, der niemanden glücklich macht

Die Halle in Kiel bebte, die Fans feierten, und dennoch blieb ein merkwürdiger Beigeschmack. Johannes Golla, Kapitän der SG Flensburg-Handewitt, stand mit hängenden Schultern da. „Wir sind nicht so aufgetreten, wie wir es uns gewünscht haben“, sagte er. Die bittere Wahrheit: Das Spiel war bedeutungslos. Beide Teams wussten vor dem Anwurf bereits, dass Flensburg in die Play-offs muss. Die Punkte waren nur noch Statistik.

THW-Trainer Filip Jicha versuchte, die Leistung herunterzuspielen. „Warm-Up“, nannte er die Partie. Ein Testlauf. Ein Probedurchlauf für das, was am Samstag kommt. Denn dann treffen die beiden Rivalen erneut aufeinander – diesmal in der Bundesliga. Und diesmal geht es um alles.

Die saison der zweiten halbzeiten

Die saison der zweiten halbzeiten

Was Ales Pajovic, Coach der SG Flensburg, in der Kabine sagte, war keine Analyse, sondern ein Seufzer. „Wir haben in dieser Saison schon oft Probleme in der zweiten Halbzeit gehabt.“ Eine simple Feststellung, die wie ein Vorwurf klingt. Seine Mannschaft führte zur Pause nur mit drei Toren Rückstand, dann brach das System zusammen. Kiel zog auf neun Tore davon. Flensburg warf sich selbst aus dem Rhythmus, verpasste Chancen, verlor Bälle, verlor die Nerven.

Die Statistik ist grausam: Flensburg kassiert in der zweiten Hälfte regelmäßig Laufpassen. Die Konzentration schwindet, die Geduld ebenfalls. Und Kiel? Der THW wartet nur darauf. Wie ein Boxer, der den Gegner erst malkommen lässt, um dann zuzuschlagen.

Samstag wird die halle explodieren

Samstag wird die halle explodieren

Die Champagnerstimmung bleibt vorerst im Kühlschrank. Kiel steht unter Zugzwang. Nur ein Sieg am Samstag würde die Restchancen auf die Champions-League-Qualifikation wahren. „Ein ganz heißer Tanz“, sagt Golla. Und er weiß, wovon er spricht. Die Halle in Kiel wird kochen. Die Emotionen werden grenzenlos sein. Und die Spieler? Sie haben noch etwas gutzumachen.

Beide Teams haben sich versteckt gezeigt, was sie wirklich können. Kiel war effizient, aber nicht brillant. Flensburg war verbissen, aber nicht clever. Am Samstag gibt es kein Versteckspiel mehr. Kein Warm-Up. Keine Ausreden. „Die Halle hat noch mehr zu bieten“, sagt Golla. „Wir haben noch mehr zu bieten.“

Die Fans warten auf den wahren Knaller. Die Spieler auch. Und die Statistik? Die wird am Samstag neu geschrieben – mit Sieg oder Niederlage, mit Tränen oder Jubel, mit einem einzigen Gedanken: Weiterkommen oder rausfliegen. Mehr gibt es nicht zu sagen. Der Rest ist Handball. Pur. Roh. Unbarmherzig.