Tudor reißt kinsky nach 17 minuten runter – tottenham zerbricht in madrid
Igor Tudor hat in seiner Laufbahn viele Krisen gesehen, aber was ihm gestern Abend in Madrid widerfuhr, jagt selbst ihm einen Schauer über den Rücken. Nach gerade mal 17 Minuten zog der Kroate seinen 22-jährigen Debütanten Antonin Kinsky vom Feld – und beendete damit ein Experiment, das bereits nach 360 Sekunden in Trümmern lag.
Die Szene, die alles auslöste, war kaum spektakulär, aber tödlich: Kinsky rutschte beim Versuch, einen harmlosen Rückpass zu klären, weg, Marcos Llorente schob zur Führung ein. Neun Minuten später trat der Tscheche neben den Ball, Julian Alvarez bedankte sich. 2:0. Tudor sprang auf, wedelte mit beiden Armen, und dann passierte das Unvorstellbare: Er wechselte seinen Torwart. „Ich habe in 15 Jahren Trainerjob so etwas noch nie gemacht“, sagte er später mit schwerer Stimme.
Vicario kommt – und kassiert trotzdem noch drei weitere treffer
Guglielmo Vicario, eigentlich für den FA-Cup reserviert, erhielt keine Zeit zum Aufwärmen. Er landete mitten im Sturm, konnte aber nicht mehr retten, was nicht mehr zu retten war. Die 2:5-Schlappe steht für die vollständige Demontage eines Klubs, der sich selbst überfordert hat. Tudor sprach von „Schutz“ für Kinsky und „Schutz“ für die Mannschaft, doch das klang wie ein Rettungsversuch nach dem Untergang.
Die Frage, die sich jeder im Estadio Metropolitano stellte: Warum überhaupt Kinsky? Der Coach verteidigte seine Auswahl mit der Belastung Vicarios im Pokal und dem Vertrauen in den jungen Tschechen. „Vor dem Spiel war es die richtige Entscheidung“, betonte er, doch genau diese Worte hallen nun bitter nach. Denn wer seinen Keeper nach 17 Minuten rauszieht, dem fehlt nicht nur die Linie – ihm fehlt das Gespür für den Moment.

Platz 16 in der premier league – tudors stunden könnten gezählt sein
Die Zahlen sind gnadenlos: drei Liga-Niederlagen in Folge unter Tudor, 16. Tabellenplatz, nur ein Punkt Vorsprung auf die Abstiegszone. Die Champions League ist so gut wie beendet, die Saison droht zum Komplettdesaster zu werden. Und mitten in diesem Trümmerfeld steht ein Trainer, der sich selbst nicht erklären kann, was da passiert ist. „Es ist unglaublich schwierig, all diese Dinge zu erklären“, sagte er und klang dabei, als redete er sich selbst Mut zu.
Kinsky selbst saß nach dem Abpfiff mit kaputten Blick in der Kabine, umringt von Teamkollegen, die ihn wie ein Rohr brauchten. Tudor betonte, „wir stehen hinter ihm“, doch diese Phrase klingt wie ein Requisit aus der Rhetorik-Kiste. Denn wenn der Trainer seinen Torwart öffentlich vor der Mannschaft abnickt, bleibt wenig Raum für Vertrauen.
Die Rückspiel-Analyse wird gnadenlos ausfallen: 0:3-Rückstand, keine Hoffnung, keine Identität. Tottenham reist als Geisterklub nach London zurück. Und Igor Tudor? Er muss nun fürchten, dass seine Amtszeit keine 17 Minuten, sondern nur 17 Tage dauert. Denn der Vorstand schaut auf den Kalender – und dann auf die Tabelle. Beides spricht gegen den Kroaten.
