Copacabana bis kiew: eine nacht, in der der ball nicht schläft

Kurz nach 21 Uhr ertönt in Mailand der Anpfiff – und bis zum Morgengrauen rollt der Ball auf drei Kontinenten. Die Europa League wirft Aston Villa gegen Nottingham Forest, die Conference League schickt Crystal Palace auf die ukrainischen Frost-Kicker von Shakhtar. Ein Programm, das kein Fan einschalten und trotzdem nicht abschalten kann.

Sky-kanäle überbuchen sich, weil südamerika dazukommt

Sky-kanäle überbuchen sich, weil südamerika dazukommt

Während in Freiburg Braga die deutsche Zweikampfstärke testet, startet in Quito bereits die Copa Libertadores. Mirassol gegen LDU liefert das erste Samba-Duell, um 2.30 Uhr folgt Flamengo in Medellín – ein Club, der seine Fans selbst in 4.000 Metern Höhe nicht im Stich lässt. Die Konsequenz: Wer bei Como TV bleibt, wechselt zwischen spanischem Kommentar und portugiesischen Trommeln, ohne je die Fernbedienung aus der Hand zu legen.

Dazwischen hält der Rally de Portugal die Motoren wach, die Vuelta femenina erklimt die Sierra de Madrid. Doch der Clip, der morgen alle Timelines sprengt, dauert nur sieben Sekunden: Neymar und Robinho Jr. umarmen sich nach einem Tor, als hätten sie nie Streit gehabt. Die Botschaft ist lauter als jede Anstoß-Flut: Fußball vergisst schneller als Twitter.

Um 4 Uhr Ortszeit schließt Junior gegen Cerro Porteño den Kreis. Dann herrscht in Europas Wohnzimmern betretenes Schweigen – nicht aus Müdigkeit, sondern weil der Kaffee alle ist. Die Zählung: zwölf Spiele, neun Kanäle, ein Kontinenten-Kreisel. Und eine Erkenntnis: Am 8. Mai zählt nur, wer die Nacht überlebt hat.