Thiago pitarch, 18, zerlegt mancity und lässt henry stottern

94 % Passquote, vier Balleroberungen, 76 Minuten Dauergrinsen: Thiago Pitarch hat in der Champions-League-Nacht von Real Madrid nicht nur Manchester City ausgehebelt, sondern auch die Kommentatoren zum Stottern gebracht. Sogar Thierry Henry, sonst wortgewandt wie kaum ein Zweiter, brach nach dem 3:0 in ein „Ich weiß nicht mal, wie man seinen Namen ausspricht“ aus.

Der 18-Jährige ist damit jüngster Spanier, der jemals ein K.-o.-Spiel für Real Madrid von Anfang an bestreitet – und das mit einer Selbstverständlichkeit, die Raúl auf Platz zwei der ewigen Liste verweist. Vinícius Jr. war 2019 vier Tage jünger, doch der Brasilianer kam aus Rio, Pitarch kommt aus der Cuesta Blanca, einem Stadtteil von Murcia, in dem bislang eher Tomaten als Fußballstars wuchsen.

Arbeloa setzt auf den jungen statt auf den kroos-ersatz

Der Coach, der ihn hochgezogen hat, heißt Álvaro Arbeloa. Kein Zufall: Seit der ehemalige Außenverteidiger im Januar die Profimannschaft übernahm, ist die Jugendakademie kein Schaukasten mehr, sondern ein Werkzeugkasten. Pitarch spielte sich in einem internen Testspiel in Arbeloas Gedächtnis, rückte von der U18 in die U19, wurde zur zweiten Mannschaft und schließlich zum X-Faktor gegen City. „Er verlangt von mir, Persönlichkeit zu zeigen“, sagt Pitarch über seinen Förderer. „Das versuche ich zurückzugeben.“

Dabei ist der Mittelfeldspieler kein aufgeblasener Kroos-Nachfolger. Er ist schmächtiger, schneller, ungestümer. Wo der Deutsche lange Linien sucht, schlängelt sich Pitarch durchs Zentrum, drückt die Temperaturei, schaltet Valverde frei. Die spanische Marca zeichnete eine Heatmap, die aussieht, als hätte jemand den Rasen mit einem Besen neu verteilt. Kein Quadratzentimeter blieb kalt.

Der einzige Haken: Kurz vor dem Wechsel verlor er im eigenen Strafraum den Ball, zwang Courtois zu einer Parade. Die Kurve nach oben ist steil, nicht glatt. Das macht sie glaubwürdig.

Pitarch träumt von fifa-momenten – und kassiert standing ovations

Pitarch träumt von fifa-momenten – und kassiert standing ovations

Als er in der 76. Minute runterging, brandete das Bernabéu. „Thiago, Thiago“-Rufe, die sonst Kroos, Modrić oder Casemiro galten. Der Junge lachte, wie man lacht, wenn man merkt, dass das Spielgerät plötzlich aus Gold ist. „Letztendlich ist es das Spiel, das man immer in FIFA spielt“, sagte er später. Nur dass dieses Mal die Tastatur aus Fleisch und Blut war.

Die Zahlen sprechen, ohne zu schreien: 94 % Passgenauigkeit gegen Rodri, Bernardo Silva und Haaland. Vier Ballgewinne gegen Spieler, die mit seinem Jahresgehalt Urlaub machen könnten. Und ein Gefühl von Kontrolle, das selbst Henry verstummen ließ. „Was für ein Spiel!“

Real Madrid hat in den letzten Jahren Milliarden in Galácticos gesteckt. Nun kommt ein Teenager aus der eigenen Garage und liefert den Beweis: Manchmal reicht es, wenn der Neue mehr Lösungen hat als der Alte. Pitarch muss nicht der neue Toni Kroos sein. Er muss nur der erste Thiago Pitarch sein. Der Rest ist Geschichte – und die beginnt gerade erst.