Tardif zieht sich zurück: die iihf verliert ihren machtmacher
Luc Tardif packt es
. Der 73-jährige Franzose wird im Oktober 2026 das Amt des IIHF-Präsidenten niederlegen – und damit eine Ära beenden, die den Welt-Eishockey nachhaltiger verändert hat, als es die meisten Zuschauer je mitbekommen haben.Ende nach 25 jahren an der spitze
Seit 2021 steht Tardif formell an der Spitze des Weltverbandes, doch wer die internen Gremien kennt, weiß: Der ehemalige Verbandschef von Frankreich war schon lange vorher der Mann, der hinter den Kulissen die Fäden zog. 25 Jahre lang hat er die Geschicke der IIHF mitbestimmt – als Vize, als Strippenzieher, als Architekt eines Systems, das Profis und Amateure gleichermaßen bedient. Nun, so sagt er, sei „der richtige Moment“ gekommen, die Verantwortung abzugeben. Was klingt, wie ein freiwilliger Rückzug, ist im Machtgefüge des Welt-Eishockeys nichts weniger als ein Erdbeben.
Tardifs Amtszeit war geprägt von Krisenmanagement. Corona zwang die IIHF, Weltmeisterschaften abzusagen und Millionen einzubüßen. Der Krieg in der Ukraine führte zum Ausschluss Russlands und Belarus – eine Entscheidung, die Tardif mittrug, obwohl sie den europäischen Eishockey-Markt spaltete. Und dann da: die ständige Balance zwischen der NHL und den nationalen Verbänden, die sich um Spieler, Termine und Geld streiten. Tardif hat diese Konflikte nicht nur überlebt, er hat sie genutzt, um die IIHF finanziell zu entfesseln. Die Einnahmen aus TV-Rechten und Sponsoring haben sich in seiner Zeit verdoppelt.

Der nachfolger kommt – aber wer?
Intern kursieren bereits Namen. Der Schweizer René Fasel hat sich längst zurückgezogen, doch dessin altes Netzwerk lebt. Gespräche laufen. Der Finne Kalervo Kummola, der Deutsche Franz Reindl, vielleicht sogar eine Überraschung aus Nordamerika. Tardif selbst will bis 2026 die Kandidatin oder den Kandidaten „mit ins Boot holen“. Ein geordneter Übergang, sagt er. Doch in Wahrheit ist das ein Machttest. Wer folgt, bestimmt, ob der europäische Einfluss erhalten bleibt – oder ob die NHL künftig das Sagen hat.
Bis dahin bleibt Tardif im Amt. Er wird die WM 2025 in Schweden und die Olympischen Spiele 2026 in Mailen noch begleiten. Dann ist Schluss. Kein Comeback, keine beratende Rolle. „Ich werde die IIHF mit 75 Jahren verlassen“, sagt er. „Das ist genug.“
Die Eishockey-Welt verliert einen Mann, der nie im Scheinwerferlicht stand, aber immer dann griff, wenn es brannte. Seine Nachfolge wird nicht nur einen neuen Präsidenten bringen. Sie wird entscheiden, welches Eishockey wir künftig sehen – und wer es bestimmt.
