Svww jagt rostock und schenkt fans wasser – jetzt sprudelt’s im aufstiegsrennen
Freitagabend, 19 Uhr, Brita-Arena: Wenn Hansa Rostock anreist, geht für den SV Wehen Wiesbaden nicht nur um drei Punkte, sondern um den Sprung auf Relegationsplatz drei. Sieben Heimsiege nacheinander hat Daniel Scherning’s Truppe bereits geschafft – nun will sie den nächsten Konkurrenten abschütteln und dabei sogar das erste kostenlose Sprudelwasser der deutschen Profiliga verschenken.
Kostenloses wasser als stimmungskatalysator
Hinter der Osttribüne fließt ab Anpfiff nicht nur Jubel, sondern auch Wasser. Hauptsponsor Brita stellt kostenlosen Sprudel, Stilles und Nachschub – ein PR-Coup, der laut Klub „ein sichtbares Zeichen für den Weltwassertag“ setzt. Die Aktion wirkt: Tickets für die Partie gingen binnen 48 Stunden weg, der Vorverkauf ist restlos ausverkauft. Die Botschaft lautet: Kommt, trinkt, jubelt – und schiebt euer Team Richtung Aufstieg.
Auf dem Rasen sprudelt es ohnehin. Seit Mitte Dezember hat der SVWW in der heimischen Arena keinen Ball mehr kassiert, die letzten drei Gegner – Cottbus, Verl, Duisburg – wurden mit 11:3 weggeschossen. „Wir haben unsere Kabine, unser Stadion, unsere Kurve“, sagt Daniel Scherning im Magenta-Podcast „4zu3“. „Wenn die Jungs hereinkommen, sollen sie spüren: Hier herrschen wir.“

Die tabelle lügt nicht – vier punkte trennen vom relegationsplatz
Der Blick auf die Tabelle zeigt, wie dicht gepackt die Spitze ist. Mit 47 Zählern liegt Wiesbaden auf Rang acht, nur vier Punkte hinter Drittligadrittem 1860 München. Gewinnt der SVWW gegen Rostock (48 Punkte), rückt er auf Platz fünf vor – und hätte Relegationsluft erstmals seit 2020. „Die Liga ist ein Korsett“, sagt Fatih Kaya. „Wer in den letzten neun Spielen stabil ist, fährt nach oben. Wir wollen die Hausaufgaben machen.“
Kaya selbst spielt dabei eine Schlüsselrolle. Seit er im Winter aus Darmstadt zurückkehrte, traf er viermal, bereitete drei Tore vor. Gegen München nagelte er mit einem Volleyschuss nur die Latte, statt das 1:0 zu erzielen. „Der Punkt war okay“, sagt er, „aber wir können ihn nur dann wertschätzen, wenn wir ihn Freitag vergolden.“

Rostock kommt mit angst im gepäck
Hansa reist angeschlagen. Drei Auswartsniederlagen in Folge, das 0:2 in Dresden war zuletzt ein Offenbarungseid. Trainer André Meyer wechselte dreimal in der Abwehr, doch die Null blieb. In Wiesbaden droht nun das vierte Auswärtspaket – und der Rückfall auf Platz acht. „Wir brauchen hier einen perfekten Tag“, sagt Meyer, „sonst werden wir weggespült.“
Die personelle Lage spricht für den SVWW. Maximilian Merkel (Muskelfaserriss) fehlt zwar weiter, doch Luca Pfeiffer kehrt nach Gelb-Sperre zurück. Franko Kovacevic trainierte voll mit, Niklas Dams könnte nach Oberschenkelproblemen banken. Scherning wird vermutlich wieder mit der Doppelspitze Kaya/Pfeiffer beginnen – vor der sich die Hansa-Abwehr seit Wochen verheddert.
Stadionlimit von 11.500 – alle tickets weg
Die Brita-Arena fasst offiziell 12.500, wegen laufender Bauarbeiten sind es nur noch 11.500 – und die sind restlos vergriffen. Die Fans wittern nach dem 0:0 in München die Chance auf die nächste Aufstiegs-Party. Scherning warnt vor Euphorie: „Wenn wir nur 70 Prozent bringen, wird Rostock uns bestrafen. Die Jungs müssen wieder 95 Minuten Gas geben.“
Die Zahme Heimserie hat Methode: 24 Tore in sieben Partien, nur fünf Gegentore, eine durchschnittliche Ballbesitzquote von 62 Prozent. Die Statistik spricht eine klare Sprache: Wer in Wiesbaden gewinnt, darf oben träumen. Wer verliert, rutscht in den Brei der hinteren Tabellenhälfte.

Schlusslicht der hinrunde wird aufstiegskandidat
Vor drei Monaten stand der SVWW noch auf Relegationsplatz 16, Trainer Markus Kauczinski war entlassen, die Defensive wackelte. Dann holte Sportdirektor Christian Hock Scherning, der den Kurs komplett umstellte: Viererkette statt Fünferkette, Pressing statt Abwehrblock, Mut statt Angst. Seitdem holte die Mannschaft 25 Punkte aus elf Spielen – mehr als jeder andere Drittligaclub.
Die Wende ist kein Zufall. Hock verlängerte mit Morris Schröter, holte Franko Kovacevic aus Kiel und stützte sich auf die eigene Jugend. Die Chemie stimmt, die Kabine brennt. „Wir sind hungrig, nicht satt“, sagt Captain Sebastian Mrowca. „Rostock ist der nächste Schritt, nicht der letzte.“
Freitagabend wird also mehr sprudeln als Wasser. Es sprudelt Hoffnung, Punkte und vielleicht sogar der Traum vom ersten Bundesliga-Aufstieg seit 2007. Scherning zuckt mit den Schultern: „Wenn wir gewinnen, sind wir wieder mittendrin. Wenn nicht, war’s trotzdem eine geile Reise.“ Die Fans werden ihren Teil tun – und sicher auch das kostenlose Wasser mit nach Hause nehmen, als Erinnerung an den Tag, an dem Wiesbaden wieder anfing, oben mitzumischen.
