Steinhauser zurück auf dem podium: paris-nizza wird zur rückkehr nach dem tief

Georg Steinhauser ist wieder da. Nach einem Jahr, in dem eine unerkannte Borreliose ihn ausbremste, fuhr der 24-Jährige in Nizza aufs Podest – und schlug direzt das Weiße Trikot der besten Jungprofis ein.

Ein tag, der alles veränderte

Die 129,2 Kilometer von Nizza nach Nisse waren eigentlich nur noch Formsache. Doch Steinhauser hämmerte sich auf Position sechs, rettete sich mit letzter Kraft ins Ziel – und wusste: Das reicht. 6:07 Minuten hinter Jonas Vingegaard, 4:23 hinter Daniel Martínez, aber mit dem größten Triumph seiner Karriere im Gepäck. „Das gibt einen paar extra Watt“, sagte er verschwitzt, „die brauchte ich heute.“

Die Bilder nach dem Rennen zeigten keinen überraschten Fahrer, sondern einen, der die Last des Vorjahrs endlich abwarf. 2024 war für Steinhauser ein einziger Kampf gegen unsichtbare Gegner: Zeckenbiss, Borreliose, mentale Abgründe. Nun steht er da, wo er hingehört – oben.

Vingegaards warnschuss an pogacar

Vingegaards warnschuss an pogacar

Während Steinhauser seine Geschichte neu schrieb, fuhr Jonas Vingegaard in einer anderen Galaxie. Der Däne gewann zwei Etappen, dominierte Berg- und Punktewertung und ließ Martínez 4:23 Minuten stehen. Es war kein Sieg, es war eine Demonstration. Mit dem Giro im Kalender könnte Vingegaard 2025 als erster aktiver Fahrer alle drei Großen gewinnen – nach Tour und Vuelta fehlt nur noch das Maglia Rosa.

Lenny Martinez sorgte auf der Schlussrunde für das letzte local Hero-Moment, sprintete vor Vingegaard zur Etappe. Für die Statistik ein Fußnote, für die Franzosen ein Seufzer der Erleichterung: Endlich wieder ein Sieg ihrer Marke.

Deutsche bilanz: viele kamen, wenige blieben

Deutsche bilanz: viele kamen, wenige blieben

Hinter Steinhauser lichtet sich schnell das Feld. Jasha Sütterlin wurde 21., Nils Politt 34., doch die Lücke nach vorne ist gewaltig. 48:42 Minuten trennen Politt vom Sieger – eine Hausnummer, die zeigt, wie stark Steinhausers Vorstoß ist. Lennard Kämna, einst Hoffnungsträger, rollte als 64. über die Linie. Die Konkurrenz schläft nicht.

Steinhauser selbst will die Nacht in Nizza nicht schlafen. „Ich werde das jetzt genießen“, sagte er – und meinte nicht nur das Glas Champagner, sondern das Gefühl, wieder Teil der Spitze zu sein. Die Saison ist jung, die Berge werden höher. Aber nach dem Runter kommt immer das Hoch – und Steinhauser hat gerade bewiesen, dass er beides kennt.