Stage zittert vor dem fernseher – und schickt seine familie weg

Jens Stage saß nicht auf der Bank, sondern auf der Couch. Die Gelbsperre bannte ihn ins Wohnzimmer, Wolfsburg lief im Bild. Beim 1:0-Sieg seiner Bremer zitterte er so sehr, dass seine Frau und die Kinder flüchteten. „Danach mussten alle weg“, sagt er und lacht kurz – klingt aber nicht wirklich amüsiert.

Der motor durfte nicht starten

29 Jahre, 27 Ligaspiele diese Saison, nur drei Mal fehlte der Däne – einmal wegen dieser fünften Gelbe. Im Volkswagen-Stadion hätte er den Sechser-Job übernehmen, Ballgewinne, Schnittstellen, das gewohnte Programm. Stattdessen: Fernbedienung, statt Taktikbrett. „Es war nicht geil“, sagt er trocken, „das ganze Spiel war eng.“ Für einen Spieler, der sonst die Kontrolle auf dem Rasen übernimmt, war das passive Erleben eine Qual.

Die erste Hälfte enttäuschte ihn: zu viele Ungenauigkeiten, kein Zugriff. Doch er kennt die Bundesliga-Realität: „Schönspielerei zählt nicht, Punkte zählen.“ Als Njinmah in der 72. Minute traf, schrie er so laut, dass der Hund der Nachbarn anfing zu bellen. „Darauf bin ich stolz“, sagt er über die Moral der Gruppe, die ohne ihn auskam.

Nationalteam? zurzeit nur fernseh-publikum

Nationalteam? zurzeit nur fernseh-publikum

Dienstag spielt Dänemark in Prag gegen Tschechien – Stage ist nicht dabei. Bondes-Coach Åge Hareide ließ ihn erneut zu Hause, begründete es mit „Konkurrenz und Kaderplanung“. Der Spieler selbst sagt nur: „Ich nehme es mit Humor.“ Wer genau hört, erkennt Bitterkeit. Denn parallel fehlt ihm der Rhythmus: Nach dem Wolfsburg-Spiel musste er kurzfristig ein Infekt-Duo absagen – Grippe plus Magenvirus. „Zwei Tage nur Wasser und Toast“, sagt er.

Am Dienstag dann die nächste Bremse: Er konnte nicht am Mannschaftstraining teilnehmen, der Arzt verhängte Bettruhe. „Ich bin nicht der Doktor“, antwortet er auf die Einsatzfrage gegen Leipzig. Die Antwort klingt wie ein Standard-Satz, doch seine Augenbrauen verraten Sorge: Werder braucht ihn, RB kommt mit Ole Wernerzurück – genau der Coach, der ihn vor zwei Jahren zum Dauerkapitän machte.

Werner-rückkehr: applaus nur vor anpfiff

Werner-rückkehr: applaus nur vor anpfiff

„Wir hatten eine gute Zeit“, sagt Stage über Werner, „ich habe viel gelernt – über Fußball, über die Bundesliga.“ Dann der Stich: „Ich wünsche ihm alles Gute – aber nicht am Samstag.“ Das 27. Spieltag-Duell wird zur Gradwanderung: Werner kennt jeden Bremer Automatismus, Stage kennt Werner. „Mein Gefühl ist gut: Wir sind stark genug, um Punkte zu holen“, sagt er und klingt plötzlich wieder wie der Sechser, der die Kabine lautstiefelnd betritt.

Die Tabelle spricht eine klare Sprache: Bei einer Niederlage rutscht Werder auf Relegationsplatz, bei einem Sieg könnte Platz 12 drin sein. Stage weiß, dass er spielen muss, wenn er dabei sein will. Sein Körper mithalten. Der Familienfrieden auch.

Also liegt er abends wieder auf der Couch – diesmal nicht als Zuschauer, sondern mit dem Laptop auf dem Bauch, Analysevideos laufen. Die Fernbedienung bleibt künftig in der Hand seiner Frau. Er selbst will die Kontrolle zurück – am Feld, nicht vor dem Bildschirm.