Tottenham wirbelt trainerkarussell weiter: de zerbi soll das wunder schaffen
17. Platz, ein Punkt bis zur Abstiegszone, schon der dritte Coach binnen sieben Monaten – Tottenham Hotspur hat sich längst zur Krisenschaukel der Premier League gemausert. Nun klopfen die Spurs an die Tür von Roberto De Zerbi, dem Italiener, der einst Brighton erstrahlen ließ und in Marseille gerade die Vizemeisterschaft mitgenommen hat. Sein Auftrag: Rettung vor dem Desaster, verbunden mit einem Langzeitpakt bis 2031, berichten englische Medien übereinstimmend.
Der kurze weg von frank zu tudor zu de zerbi
Die Zahlen sind ein Spiegelbild des Chaos. Thomas Frank kam im Sommer als Hoffnungsträger, flog im Februar wieder raus. Igor Tudor folgte als Notlösung, schaffte aus fünf Ligaspielen exakt einen Punkt und war nach 42 Tagen wieder weg. Dazwischen lagen mehr Pressekonferenzen als Siege, mehr Fragen als Tore. Für Daniel Levy wird jede erneute Trennung teurer, doch die Tabelle lässt keinen Spielraum.
De Zerbi muss ran – und das mit sofortiger Wirkung. Der 46-Jährige bringt Erfahrung aus zwei Jahren Brighton mit, wo er mit engem Positionsdruck und hohem Risiko die Seagulls in die Europa League führte. Seine Philosophie: schneller Ballumlauf, hohe defensive Linie, Spieler, die denken statt nur reagieren. Ob das Ensemble um Son, Kulusevski und Maddison diese Anweisungen in Tore ummünzen kann, wird sich innerhalb der nächsten neun Spiele zeigen.

Warum tottenham auf einen fünfjahresvertrag setzt
Ein Abstiegskampf verlangt Kurzfristigkeit, doch Levy unterschreibt ausgerechnet jetzt langfristig. Der Grund: De Zerbi wollte Planungssicherheit, und der Klub braucht ein Gesicht, das über die Saison hinaus Strahlkraft besitzt. Die Ablöse an Marseille fällt laut Sky Italia moderat aus, dafür kassiert der Franzose aber Bonuszahlungen, sollte Tottenham die Klasse halten. Ein Pokalsieg oder ein internationaler Startplatz wären nice-to-have, doch primär zählt ein einziges Kriterium: 40 Punkte so schnell wie möglich.
Die Fans sind gespalten. Die einen erinnern sich an den mutigen Fußball in Brighton und träumen von einem ähnlichen Kurs. Die anderen sehen einen Verein, der seit 2008 keinen Titel holte und nun mit der dritten Traineridee binnen einer Saison um den Klassenerhalt bettelt. Die nächsten Gegner: Brentford (A), Nottingham (H), Everton (A) – kein Spaziergang, aber auch keine Mammutaufgabe, wenn die Mannschaft den Ruck schafft.
De Zerbi selbst wirkt gelassen. „Ich bin hier, weil ich an dieses Projekt glaube“, sagte er bei seiner Vorstellung. „Unser Stil wird identisch sein mit dem, den die Fans lieben: mutig, dominant, mit Leidenschaft.“ Ob diese Worte in einer Kabine hallen, die in den letzten Monaten mehr Richtungswechsel erlebte als Siegesfeiern, wird sich zeigen. Fakt ist: Bei Tottenham tickt die Uhr lauter als je zuvor. Und der neue Coach hat gerade einmal neun Spiele Zeit, um sie wieder leise zu stellen.
