Zverev zittert, aber er fliegt: 16 asse katapultieren ihn ins viertelfinale von miami
Alexander Zverev musste zweimal in den Tiebreak, zweimal die Nerven verstauen, aber am Ende stand wieder seine Schulterbreite im Licht der Hard-Court-Nacht: 7:6 (7:4), 7:6 (7:1) gegen Quentin Halys – und der Deutsche ist als Letzter seiner Nation noch im Rennen um den Titel von Miami.
Halys liefert, aber zverev serviert gnadenlos
Der Franzose servierte sich mit 214 km/h in die Höhe, fand die T-Linie wie ein Geodreieck – und wurde trotzdem abgefertigt. Zverevs Antwort: 16 Asse, kein Breakball gegen sich, dafür sechs ausgelassene Breakchancen. „Wir haben beide die Serve-&-Volley-Ära neu erfunden, nur ohne Volley“, sagte er mit einem trockenen Lächeln. Die Statistik dahinter: 86 % Erstaufschlagpunkte, 69 % nach dem zweiten Ball – Zahlen, die selbst Pete Sampras ein Hoch-5 gegönnt hätte.
Im zweiten Tiebreak zerlegte der Hamburger die Partie in sieben Minuten. Halys schlug einen Rückhand-Longline-Winner, der im Training 10 von 10 Mal drin wäre – diesmal traf er nur noch das Netzband. Zverev konterte mit einem Return-Winner, der so flach war, dass der Ball kaum aufsprang. 7:1 im Breaker, Handshake, ab duschen.

Cerúndolo wartet – und sinner lauert bereits
Nächster Gegner: Francisco Cerúndolo, Nr. 18, Argentinier mit deutschem Fitnesstrainer und einem Vater, der früher Profi-Fußballer war. Cerúndolo schickte Ugo Humbert mit 6:4, 6:3 in den Urlaub und spielt seit drei Tagen ohne Satzverlust. „Er läuft wie ein Duracell-Hase und schlägt den Ball so früh, als wäre er schon vor dem Aufschlag auf der Linie“, warnte Zverev.
Die eigentliche Bedrohung aber heißt Jannik Sinner. Der Italiener, diezeitige Welt-2, schraubte sich gegen Alex Michelsen durch und steht bereits im Viertelfinale. Ein Treffen mit Zverev wäre die dritte Begegnung innerhalb von fünf Wochen – Indian Wells damals ging in drei Sätzen an Sinner. „Er kennt mein Spiel besser als ich selbst“, sagt Zverev und lacht – aber die Augen bleiben kalt.

Deutsches tennis in miami: ausverkauf nach der ersten woche
Während Zverev noch spielt, sind alle anderen schon im Flieger. Eva Lys, Ella Seidel, Tatjana Maria – raus. Jan-Lennard Struff, Yannick Hanfmann, Daniel Altmaier – raus. Laura Siegemund schaffte noch Runde zwei, dann kam eine Nacht voller Doppelfehler. Die Bilanz: 1 Sieg aus 7 Matches, einzig Zverev steht. Die Botschaft: Ohne ihn wäre deutsches Tennis in Florida ein Schlagloch.
Am Freitag um 20:00 Uhr Ortszeit geht’s gegen Cerúndolo, Center Court, Hitzeindex bei 32 Grad. Zverevs Serve-Geschwindigkeit steigt mit der Temperatur – und seine Chancen steigen mit jedem Ass. 16 waren gestern, 20 könnten morgen nötig sein. Denn wenn er gewinnt, wartet womöglich schon der nächste Tiebreak gegen Sinner – und dann zählt nur noch, wer zuerst die Nerven behält.
