Zé roberto packt aus: playstation warf ihn raus – disziplin holte ihn zurück
Er kam, sah und zerstörte sich fast selbst. Zé Roberto, der zauberhafte Brasilianer, der später die Bayern-Seelen eroberte, stand 1997 bei Real Madrid kurz vor dem Absturz – ausgelöst durch 20-Stunden-Sessions vor der Konsole und Tüten voller Chips. Der Ex-Fußball-Star blickt jetzt auf jene Zeit zurück und liefert ein Lehrstück über Verschwendung und Wiedergeburt.
Real-sportdirektor warnte: „mit den ringen unter den augen wirst du nicht durchkommen“
Der damalige Techniker Jupp Heynckes ließ ihn links im Mittelfeld glänzen, doch zwischen Trainingseinheiten verschmolzen die Tage zu pixeligen Nächten. „Ich kam verschwitzt vom Fifa-Modus, nicht vom Platz“, erinnert sich Zé Roberto im Gespräch mit O Globo. Er nahm sieben Kilo zu, verspürte keinen Hunger auf gesunde Kohlenhydrate, sondern auf Limonade und Kekse. Die Folge: ein einziges Tor in 29 Pflichtspielen, kein Platz im Kader für das Champions-League-Finale 1998.
Der Abschied folgte auf dem Fuß. Flamengo leihte ihn aus, die Madrider hätten ihn am liebsten sofort abgeschrieben. In Rio angekommen, schmiss er die Konsole aus dem Gepäck – buchstäblich. „Ich habe verstanden: Der Körper ist kein Spaß, er ist mein Büro“, sagt er. Sechs Monate später kehrte er nach Europa zurück – diesmal nach Leverkusen, wo er gemeinsam mit Michael Ballack die nächste Stufe erklomm.

In münchen wurde er zur maschine: 248 spiele, 64 assists, vier meistertitel
Die Bayern zahlten 2002 zwölf Millionen Euro – ein Schnäppchen, wie sich herausstellte. In München baute er Muskeln auf, die ihm vorher fehlten, und einen Ruf, der bis heute Bestand hat: Zé Roberto, der Mann, der nie hustet. Ottmar Hitzfeld ließ ihn auf Linksverteidiger umfunktionieren, er lief 90 Minuten nonstop, ohne zu schnaufen. Die Fans sangen sein Namen, weil er selbst in der 90. Minute noch den Sprint nach hinten machte.
Erst mit 43 legte er die Schuhe endgültig bei Palmeiras nieder. Keine Playstation, dafür tägliches Meditieren, Wasser statt Cola, Hanteln statt Handkonsolen. Heute zieht er mit 51 Jahren Kreise auf Instagram, wo mehr als zwei Millionen Follower seine Liegestütz-Challenges nachmachen. „Ich will keine Träne, ich will Schweiß“, sagt er und meint das literally: Seine Trainingsvideos enden stets mit dem Satz: „Wenn du jung bist, geh raus. Wenn du alt bist, geh trotzdem raus.“

Die moral? ein fehlstart ist kein totalverlust
Zé Roberto beweist: Selbst ein vermeintlich verspieltes Talent kann sich fangen, wenn es lernt, dass Disziplin keine Keuschheitsgürtel-Nummer ist, sondern ein Investment mit Rendite. Seine Karrierezahlen sprechen eine klare Sprache: 768 Profispiele, 71 Tore, 18 Jahre zwischen erster und letzter Meisterschaft. Die Playstation stand nur am Anfang, der Sport bis ans Ende.
