Super-g in courchevel: odermatt jagt nächsten sieg – italiens neun kandidaten aufs podest

Um 11 Uhr fliegt das Feld durch die Eclipse-Piste von Courchevel, und Marco Odermatt hat bereits wieder Kurs auf Rekordkurs. Nach seinem gestrigen Abfahrtskracher und der bereits sicheren Gesamtweltcup-Kugel will der Schweizer im Ersatz-Super-G nachlegen – und dabei eine Serie knacken, die selbst für ihn selten ist: Sechs Rennen, fünf verschiedene Sieger. Die Konstante fehlt.

Die italienische armee rollt an

Neuneinhalb Fahrer zählt das Azzurri-Kontingent, von Startnummer 2 (Filippo Della Vite) bis 50 (Riccardo Schieder). Giovanni Franzoni, gestern noch Zweiter der Abfahrt, trägt die 6 und damit auch die Hoffnung auf den zweiten Super-G-Sieg nach Wengen. Christof Innerhofer (26) und Mattia Casse (20) müssen zeigen, dass sie nicht nur bei Sonntagsrennen glühen. Der Druck sitzt hinten im Nacken, denn die Saison neigt sich dem Ende zu – und mit ihr die letzten Chancen, sich für die Finals von Saalbach zu empfehlen.

Die Rede ist von Punkten, aber auch von Prestige. Denn wer in Courchevel mithalten kann, darf sich auf Weltmeisterstrecken zurechtfinden. 2023 holte sich James Crawford hier Gold, vor Alexander Aamodt Kilde und Alexis Pinturault. Die Zeiten sind verbürgt, die Piste schnell, die Kurven giftig. Reto Nydegger, Schweizer Chefbahnenlegger, hat die Eclipse extra straff gezogen – ein Hieb in den Magen für jeden, der zu spät auf die Kanten kommt.

Kriechmayr und die geisterstunde

Kriechmayr und die geisterstunde

Vor vier Jahren, in den Finals von Soldeu, setzte sich Vincent Kriechmayr durch – vor Odermatt und Mauro Caviezel. Genau diese Vorstellung schwebt ihm heute vor Augen. Mit 267 Punkten liegt der Österreicher in der Disziplinenwertung auf Platz 2, hinter Odermatt (425) und vor Stefan Babinsky (243). Ein Sieg würde die Lücke schrumpfen lassen, vielleicht sogar die letzte Chance, die Kugel noch zu entreißen. Doch dafür muss er vor dem Schweizer landen – und das ist seit 18 Monaten leichter gesagt als getan.

Die Direktübertragung läuft auf RaiSport und Eurosport, parallel liefert Gazzetta.it jeden Split per Live-Ticker. Doch wer die Felswand oberhalb der Eclipse einmal gesehen hat, weiß: Daten allein erzählen nicht, wie sich Pulver, Schatten und Eis in Sekundenbruchteilen verschieben. Wer hier gewinnt, besiegt nicht nur die Uhr, sondern auch die Bedingungen – und ganz nebenbei die Statistik.

Die Startliste liest sich wie ein Who-is-Who des alpinen Geschäfts. Doch das Rennen wird sich in zwei, drei Kurven entscheiden – dort, wo die Piste nach links abknickt und die Sonne die Schneekante aufhellt. Wer zu spät kommt, trägt die rote Linie nach unten. Wer zu frisch hineinbrettert, findet sich im Netz wieder. Die Saison ist an diesem Punkt ein einziges Balanceakt. Und Odermatt? Der hat das Rad gerade erst neu erfunden. Heute kann er es zum dritten Mal in dieser Wintersaison lackieren.