Xenia smits legt handball-pause ein – em-silber war ihr letztes spiel
Xenia Smits trägt vorerst keine Handballschuhe mehr, sondern Babystrampler. Die 31-jährige EM-Silberheldin erwartet mit ihrem Partner im Herbst ihr erstes Kind und verabschiedet sich mit einem bewegenden Posting bei Instagram aus dem aktiven Sport.
„Es gibt Momente im Leben, die größer sind als jedes Spiel“, schreibt die 362-fache Nationalspielerin. „Für eine kurze Zeit stelle ich meine Handballschuhe zur Seite – nicht, weil der Traum vom Sport endet, sondern weil ein neuer beginnt.“ Die Botschaft ging viral, innerhalb von Stunden sammelte der Beitrag Zehntausende Herzen und Glückwünsche.
Markus gaugisch reagiert sofort
Bundestrainer Markus Gaugisch, der Smits aus gemeinsamen Bietigheimer Tagen kennt, schickt sofort Glückwünsche: „Ich freue mich sehr für Xenia, ihren Lebensgefährten sowie ihre gesamte Familie. Auf sie wartet jetzt eine wunderschöne Reise.“ Für Gaugisch rückt ein anderer Schwerpunkt in den Vordergrund: der personelle Umbruch in der Nationalmannschaft. Mit Smits verliert das DHB-Team neben ihrer Torquote von 2,3 Treffern pro Spiel vor allem Charisma und Erfahrung.
Die Abstinenz beim EM-Quali-Doppel gegen Slowenien war bereits ein Vorbote. In Heidelberg verabschiedete man die Rückraumkanonierin mit einer Standing-Ovation und einem Präsent für ihr 150. Länderspiel. Niemand ahnte, dass dieses Finale gegen Norwegen im Dezember tatsächlich das letzte Länderspiel der Linkshänderin war.

Metz muss auf smits verzichten
Frankreichs Rekordmeister Metz HB wird den Ausfall mindestens bis zur Saison 2025/26 spüren. Smits war als Import-Transfer für internationales Flair zuständig, nun muss Sportdirektor Frédéric Perez umplanen. Die Ligue-Féminine-de-Handball gilt als spielstärkste Liga Europas – ohne ihre deutsche Torjägerin verliert das Championnat ein Gesicht.
Deutlicher fällt die Lücke in der Nationalmannschaft aus. Smits war stets die Spielerin, die in engen Phasen die Bälle über die Linie trug. Ihre 362 Länderspieltore stehen für konstante Qualität, ihre 156 Einsätze für Läufer-Lunge und mentale Robustheit. „Sie ist unsere Glücksbringern“, sagte Mitspielerin Emily Bölk unlängst. „Wenn Xenia warft, fühlten wir uns alle sicherer.“
Doch die Handballwelt dreht sich weiter. Gaugisch muss nun neue Druckvarianten im Rückraum finden, muss die Balance zwischen Jugend und Routine neu justieren. Kandidaten wie Alina Grijseels oder Mia Zschocke warten auf ihre Chance, doch ein Ersatz für Smits’ Aura gibt es nicht – das weiß auch Gaugisch.
Die zahlen sprechen für sich
156 Länderspiele, 362 Tore, WM-Silber 2023, EM-Bronze 2022, zwei Champions-League-Finalteilnahmen – Smits’ Palmarès liest sich wie ein Lehrbuch für Nachwuchshandballerinnen. Ihre Quote von 2,32 Treffern pro Spiel überragt selbst legendäre DHB-Rückraumlegenden. „Sie war die Gewissheit in unruhigen Phasen“, bilanziert Nationalmannschafts-Managerin Anja Althaus.
Die Verbandsspitze reagiert mit Lob und Wehmut. DHB-Sportchef Ingo Meckes spricht von „einer privat aufregenden Zeit“, Präsident Andreas Michelmann betont, „dass Familie oberste Priorität hat“. Der Verband will Smits künftig als Botschafterin und Mentorin binden – ein Posten, der ihrer Erfahrung und Ausstrahlung gerecht wird.
Privat startet für Smits nun das größte Spiel überhaupt. Die Handballwelt verabschiedet sich in eine Babypause – und weiß: Sobald das Kind schreit, wird auch Xenia Smits wieder laut sein, nur eben von der Tribüne statt vom Kreis. Die Uhr tickt, der Kreis dreht sich weiter, doch ein Comeback ist nicht ausgeschlossen. „Ich lege die Schuhe nur beiseite, nicht weg“, schreibt sie. Ein Versprechen? Eine Drohung? Oder einfach nur die ehrliche Wahrheit einer Sportlerin, die weiß, dass das Leben größer ist als jede Halle.
