Deutsche handballerinnen feiern em-ticket mit wikingerhut und büffel-sound

Katharina Filter trägt noch die silberne Medaille, aber auf der Nase klebt eine Neon-Sonnenbrille. Lorenz Büffels „Baila Baila“ knallt aus den Boxen, und 3.791 Kinder schreien sich heiser. Das ist kein Konzert, das ist Frauenhandball 2024 – und das war nur der Einlauf zur Siegesparty.

33:18 Gegen slowenien – die quali war nach 40 minuten gelaufen

Die Zahlen wirken wie ein Tippfehler: 18:8 zur Pause, 10 Tore Vorsprung am Ende. Antje Döll warf siebenmal, Filter hielt 13 Bälle, und niemand im Team musste mehr schwitzen als nötig. Die EM ist gebucht, der Silber-Trauma von Skopje ist vergessen – zumindest für eine Nacht.

Dann kam der Moment, den selbst DHB-Coach Markus Gaugisch als „brutal geil“ bezeichnete. Die Lautsprecher verstummten, die Lichter flackerten, und plötzlich stand Lorenz Büffel im Center-Circle – Wikingerhut, Glitzerjacke, Mikro. Die Spielerinnen starrten, dann lachten, dann tanzten sie. Filter: „Wir haben nicht mit einem Schlagerstar gerechnet, aber genau das macht das Team aus – wir lassen uns überraschen.“

Die halle war ausverkauft – vor zwei jahren kamen noch 1.000 zuschauer

Die halle war ausverkauft – vor zwei jahren kamen noch 1.000 zuschauer

Die Rhein-Ruhr-Halle in Mülheim ist kein Tempel, aber sie war voll. 3.791 Tickets weg, Tageskasse zu. Gaugisch zählte Minis in DHB-Trikots: „Wenn die heute Nacht davon träumen, morgen selbst Handball zu spielen, haben wir alles richtig gemacht.“ Die Warteschlange für Autogramme reichte bis zur Kabinentür, eine Stunde nach Abpfiff. Filter signierte Bälle, bis ihre Hand kribbelte: „Dafür spielen wir. Nicht für Statistiken, sondern für diese Gesichter.“

Die Deutsche Handball Liga meldet für die kommende Saison neue TV-Verträge, und die Bundesliga-Frauen bekommen erstmals eine konstante Sendezeit. Die Quote vom Mittwoch wird es rechtfertigen: 1,14 Millionen sahen im ZDF die zweite Hälfte, Tendenz steil. Sponsoren drängen sich, der DHB plant bereits das Heim-EM-Finale 2026 in der SAP Arena. Gaugisch: „Wir haben eine Bewegung losgetreten, nicht nur ein Spiel gewonnen.“

Am Ende standen sie alle auf dem Feld, Arm in Arm, und sangen mit Büffel „Baila“ noch einmal – diesmal ohne Mikro, dafür mit 3.791 Stimmen im Chor. Silber war gestern, Ticket ist heute, Gold ist das Ziel. Die Halle war leer, die Musik aus, aber der Ruf nach mehr war gerade erst angekommen.