Wiegert gesteht: magdeburgs meister-titel schmeckt bittersüß
31:30 in letzter Sekunde – der SC Magdeburg ist Deutscher Meister, doch Bennet Wiegert traut dem Glück nicht. „Verdienter Meister, unverdienter Sieg“, lautet seine Bilanz nach einem Spiel, das selbst dem Coach die Worte raubte.
Die szene, die wiegert noch wochenlang verfolgen wird
Flensburg führt bis zur 59. Minute, dann dreht Kristian Bjørnsen auf links Außen auf, trifft zum 31:30. Die Arena explodiert, Wiegert sackt auf dem Stuhl zusammen. „Ich habe nur gedacht: Bitte keine Siebenmeter mehr“, gesteht er im Mixed-Zone-Gestühl. Die SG war das bessere Team, schoss 63 % aus dem Feld, dominierte die zweite Welle. Doch Magdeburg hatte den Heinz-Krügel-Faktor: Unbeirrbarkeit bis zum Abpfiff.
Statistik-Schnipsel zum Niederknien: In 31 Partien nur eine Niederlage – beim 29:31 in Kiel. Sonst nichts. Keine Mannschaft kam jemals mit einer solchen Bilanz vorzeitig auf Platz eins. Die Tordifferenz: plus 186. Das ist kein Zufall, das ist Quadratur des Kreises gelernt in zehn Wiegert-Jahren.

Wiegerts geheimrezept: bierdusche und schuldgefühl
Der Coach spricht mit tiefer Stimme, fast flüsternd. „Meine Jungs haben einen Rucksack voller Nervosität mitgeschleppt. Aber sie haben ihn nicht abgelegt – sie haben ihn angezündet.“ Nach dem Schlusspfiff kassiert er die obligatorische Bierdusche, doch selbst da wirkt er wie jemand, der lieber analysieren würde. „Ich werde Ales Pajovic noch eine Flasche Wein schicken. Der war heute der bessere Coach.“
Pajovic seinerseits gratuliert mit Tränen in den Augen. „Benno, du bist verdient Meister. Aber nächstes Jahr wollen wir dich in der Champions League treffen – und dann drehen wir den Spieß um.“

Jetzt wird gefeiert – danach jagt magdeburg europa
Party bis die Holzböden knacken? Nur bedingt. Am Sonntag geht’s nach Mannheim, dann folgt das Final Four in Köln (13./14. Juni). „Wir wollen den Henkelpott“, sagt Kapitän Michael Damgaard und zwinkert. „Der Meisterschafts-Pokal ist das Ticket, Europa ist die Reise.“
Wiegert nimmt einen Schluck alkoholfreies Weizen, blickt in die Kameras. „Elf Titel in zehn Jahren klingt absurd. Aber das Schönste: Diese Truppe kann noch mehr.“ Er verabschiedet sich mit einem Satz, der in Magdeburg bald auf T-Shirts prangen wird: „Wir haben heute gewonnen, weil wir nie aufhören, an das Unmögliche zu glauben.“
