Vollmer zieht ins göppinger pantheon ein – und trumpft mit neun meistertiteln auf
Die EWS Arena bebte nicht nur wegen des Bundesligakrachers, sie bebte vor Anerkennung. In der Halbzeit verkündete Frisch Auf Göppingen: Edwin Vollmer ist das vierte Mitglied der jungen Hall of Fame. Jugendspieler schwenkten eine Präsentationstafel, die seine Erfolge auflistet – und die Liste liest sich wie ein Kapitel deutscher Handballgeschichte.
Von der jugend zum europapokalhelden
1953 stieß Vollmer zu den Aktiven, ein Jahrzehnt später hieß es: Europapokalsieger. 1960 holte Göppingen als erste deutsche Mannschaft den Landesmeisterpokal, 1962 wiederholte das Team den Triumph. Elf Spieler standen auf dem Feld, doch die Taktik stammte vom Spielertrainer: eben jener Edwin Vollmer. Er war 28, als er die Doppelrolle übernahm, und verwandelte Frisch Auf in eine Siegmaschine.
Neun Deutsche Meisterschaften stehen am Ende – sieben Hallen-, zwei Feld-Titel. Kein Göppinger kommt auch nur in die Nähe dieser Zahl. Bernhard Kempa, Horst Singer, Tim Kneule – allesamt geehrt, aber Vollmer übertrumpft sie mit Zahlen, die kühlen Stahl vergangener Tabellen.

Nationalmannschaft und das letzte gemeinsame deutschland
29 Länderspiele, zwei Weltmeisterschaften, Bronze 1958, Platz vier 1961 – das war die letzte WM einer gesamtdeutschen Auswahl. Vollmer lief mit dem Adler auf der Brust, doch intern galt er als stiller Strippenzieher. „Er konnte das Spiel vorher erzählen, und es lief genauso ab“, sagte ein früherer Mitspieler einmal. Statistiker würdigen 29 Einsätze, Weggefährten wissen: seine Pässe öffneten Räume, bevor Kameramänner sie entdeckten.
1965 gewann Göppingen die Hallen-Meisterschaft, doch die Qualifikation zur neuen Bundesliga glückte nicht. Vollmer trat zurück – und verschwand bewusst aus dem Rampenlicht. Managerposten, Sponsorengesuche, Medienrummel? Fehlanzeige. Er hinterließ Zahlen, keine Selbstinszenierung.

Die tafel im foyer und was sie wirklich bedeutet
Ab sofort hängt im Eingangsbereich die Tafel mit seinem Konterfei. Touristen werden sie überfliegen, Anhänger werden vorbeigehen und sagen: „Der Mann mit den neun Sternen.“ Dabei steckt mehr dahinter. Frisch Auf baut mit der Hall of Fame ein Identifikationsmosaik, das längst über Spielberichte hinausgeht. Kempa verkörpert den Mythos, Singer den Dauerkampfgeist, Kneule die Moderne. Vollmer liefert das Fundament: Erfolge, die man in der Zeitung ausschneidete und in Alben klebte, bevor Instagram Highlights erfand.
Die Arena fasst 5.000 Leute, die Tafel bleibt dauerhaft. Wer künftig vorbeiläuft, liest zwei Europapokalsiege, neun Meisterschaften, 29 Länderspiele – und spürt, dass Göppingen nicht nur Bundesliga spielt, sondern Geschichte schrieb, lange bevor TV-Deals die Szene dominierten.
Die Verbeugung des Abends galt Edwin Vollmer. Die Pfiffe nach der Ehrung? Fehlanzeige. Stattdessen Applaus, der länger anhielt als jede Halbzeitunterhaltung zuvor. Ein ehemaliger Spieler, der keine Show brauchte, bekam sie dennoch – von Fans, die viele seiner Titel nur aus Erzählungen kennen. Die Zahl neun wird im Foyer leuchten. Und sie erinnert daran, dass Rekorde nicht in der Cloud, sondern im Kopf der Gemeinde leben.
