Vittozzi nagelt zweiten platz in oslo – italiens rekordjagd geht weiter
Lisa Vittozzi läuft wie auf Schienen, schießt wie am Reißbrett – und bleibt trotzdem Zweite. In Oslo-Holmenkollen sauste die 29-Jährige durch die 7,5 km-Sprint, blieb an beiden Schießständen fehlerfrei und wurde dennoch von Hanna Öberg auf der Zielgeraden abgefangen. Elvira Öberg komplettierte das schwedische Familienpodest. Die Botschaft: Italien feiert seinen 18. Saisonsieg auf dem Treppchen, Frankreich aber sichert sich die große Kristallkugel.
Die Französin Justine Braisaz-Bouchet feierte nach dem Rennen bereits Sektkür – ihre Konkurrentin Julia Simon holte in der Verfolgung zu viele Punkte, als dass noch jemand vorbeiziehen könnte. Mathematisch ist Braisaz-Bouchet damit zum zweiten Mal nach 2020 Weltcupsiegerin, bevor in Oslo überhaupt das Finale steigt.
Der schuss, der alles veränderte
Vittozzi selbst nahm die Niederlage mit einem Schulterzucken hin. „Ich habe alles rausgeholt, was geht. Die Schwedin hat heute einfach die schnelleren Beine gehabt“, sagte sie im Zielinterview. Der Unterschied: 3,4 Sekunden – nach 20 Schüssen und 7,5 km Schneekampf. Das klingt nach Centimetersache, ist im Biathlon aber eine halbe Ewigkeit.
Interessant: Vittozzi blieb in dieser Saison bei 92 Prozent Trefferquote – besser als jede ihrer Konkurrentinnen. Nur ihre Laufzeiten reichten nicht immer fürs oberste Podest. Dennoch: Mit zwölf Podestplätzen stellt sie den italienischen Rekert für eine einzelne Weltcup-Saison ein.

Team italia jubelt – und plant schon weiter
Rekord-Nationalcoach Siegfried Mazet zog Bilanz: „Wir haben heute den 18. Podestplatz der Saison geholt – mehr als jede italienische Biathlon-Mannschaft je zuvor.“ Dabei war die Staffelkatastrophe von Ruhpolding vergessen, wo zwei Sturzfehler die Medaille versenkt hatten. Jetzt heißt es: Blick nach vorne.
Die nächste Gelegenheit kommt bereits am Sonntag mit der Verfolgung. Dann will Vittozzi nicht nur den Heimvorteil auf der Olympiabacke nutzen, sondern auch die 50 000 Euro Prämie für den Gesamtsieg am Holmenkollen-Wochenende kassieren. Ob das klappt? Die Buchmacher sehen sie nach dem souveränen Schießen erneut vorne mit dabei.
Italiens Biathleten verlassen Norwegen mit einem Lächeln und einer klaren Erkenntnis: Ohne Perfektion läuft hier gar nichts. Und Perfektion beginnt auf der Schießbahn.
