Nach roms debakel: milan schielt plötzlich nach hinten
Die Quadratur des Kreises gelingt Stefano Pioli gerade nicht. Statt auf Spitzenreiter Neapel aufzuschließen, rutschte sein AC Milan beim 1:4 in Rom auf Platz vier ab – und muss nun aufpassen, dass die Champions-League-Plätze nicht schon morgen zur Utopie werden.
Allegri zählt die punkte
60 Zähler stehen auf Milans Konto, Neapel hat 59, Como 54, Juventus 53, Roma 51. Die Lücke wirkt klein, doch der Kalender tickt gnadenlos. Noch neun Spieltage, dann ist Saison. Massimiliano Allegri, der die Tabelle studiert wie einen Aktienindex, warnt: „Die Ränge vier und fünf sind nur sechs, sieben Punkte entfernt. Wer jetzt stolpert, fliegt raus.“
Die Rechnung ist simpel. Milan braucht vier Siege, um die 72-Punkte-Marke zu knacken – historisch die magische Schwelle für die Königsklasse. Doch die Formkurve zeigt nach unten: vier Niederlagen in den letzten sieben Partien, nur fünf Tore in diesem Zeitraum. Die Tordifferenz ist die schlechteste der Top-Sechs.TAG10 Pioli setzte gegen Lazio
Der angriff liefert keine antwort
Die Alternativen? Okafor fiel verletzt aus, Jović ist erst seit Januar dabei, Chukwueze braucht Eingewöhnungszeit. Pioli rotiert, aber er findet kein Gerüst. Die Folge: Milan schießt seit acht Auswärtsspielen nicht mehr zweimal pro Spiel. Für einen Titelanwärter ist das ein Armutszeugnis.

Discontinuità nelle teste
Italiens Medien sprechen von „discontinuità“ – Unstetigkeit. Gemeint ist die mentale Achterbahn. Führung in Neapel, dann Bock gegen Empoli. 3:0 gegen Rennes in Europa, dann Blackout in Rom. Pioli redet von „Personalität“, doch die zeigt sich nur in Heimspielen. Auswärts kassierte Milan schon 21 Gegentore, mehr als jede Konkurrent. Die letzte saubere Weste gab es am 30. September in Cagliari.
Der Samstag wird zur Zerreißprobe. Turin ist seit sieben Spielen ungeschlagen, hat mit Zapata einen Old-School-Target-Stürmer und mit Ilic einen Mittelfeldmotor, der dieses Milan zerlegen kann. Die Olimpico-Blamage schwelt noch in den Knochen. Jetzt droht das nächste Drama.
Die Wahrheit ist hart: Die Meisterschaft war ein Konstrukt aus Wunschdenken. Die Champions League ist kein Selbstläufer mehr. Milan muss gegen Turin gewinnen, sonst schaut es morgen nicht mehr nach vorn, sondern nur noch in den Rückspiegel – und erkennt, dass die Verfolger längst vorbeigezogen sind.
