Vfb suhl schockt den mtv stuttgart und holt den pokal

12.000 Zuschauer in der SAP-Arena, 18 Jahre Warten, ein 11:13-Rückstand im Tie-Break – und dann der Matchball. Laura Berger schmettert die 15:13-Siegesposse, ihre Mitspielerinnen stürzen sich auf sie, Konfetti explodiert, Stuttgart steht wie angewurzelt. Der VfB Suhl hat den DVV-Pokal gekapert, und niemand im Volleyball-Deutschland kann mehr an diesem Sonntagmorgen von irgendetwas anderem reden.

Der plan hinter dem wunder: lächeln, saugen, angreifen

Coach László Hollósy hatte seine Mannschaft vor dem Finale in zwei Sätzen erinnert: „Lächelt. Saug alles auf. Wir können nur gewinnen.“ Die Botschaft war kein Placebo, sondern taktische Notwendigkeit. Gegen Stuttgarts Sechser-Block und die Aufschlag-Kanone Mackenzie Foley schien nur ein Spiel ohne Druck eine Chance zu bieten. Die Thüringerinnen ließen sich in den ersten beiden Sätzen nicht anmerken, dass sie in der Liga 14 Punkte hinter dem Tabellenführer liegen. 25:17, 25:18 – die Favoriten lagen blutend auf dem Boden.

Dann kam der bekannte MTV-Tsunami. Stuttgart drehte die Partie, verwandelte den SAP-Boden in eine Höllenarena, zwang Suhl in den fünften Satz. Bei 11:1324 Jahre, erster Bundesliga-Titel, nach dem Spiel. Vier Punkte in Serie, ein Ass, ein Block, ein Stuttgarter Fehler – 15:13, Historie gebucht.

Ein sieg, der weit über mannheim hinausstrahlt

Ein sieg, der weit über mannheim hinausstrahlt

Die Zahlen sprechen Bände: Zweiter Pokal in der Vereinsgeschichte, erstmals seit 2008 wieder eine Thüringer Mannschaft auf der nationalen Bühne. Das Budget des VfB Suhl liegt bei etwa 1,1 Millionen Euro – ein Fünftel dessen, was Stuttgart aufbietet. Die Thüringerinnen trainieren noch in der kleinen Sporthalle am Fuchsenberg, Duschkabine zwei Meter hinter der Eckfahne. „Wir haben keine High-Performance-Kulisse, aber wir haben einander“, sagte Hannah Hartmann und lachte verschwitzt. „Ich bin heute Abend zehn Tode gestorben – und trotzdem lebendiger als je zuvor.“

Der Pokal landete danach tatsächlich im Mannheimer Nachtclub „Rheingold“, um 3:37 Uhr postete Libera Elena Kötter ein Foto, wie sie mit der silbernen Schale tanzt. Am Montag geht’s zurück nach Suhl, mit Sonderzug und Polizeieskorte – die Stadt will ihre Heldinnen empfangen. Die Meisterschaft? „Darüber reden wir morgen“, sagte Berger. „Heute saugen wir es auf, bis der Kopf brummt.“

Der Rest der Liga hat gewarnt bekommen, was passiert, wenn man den Underdog nur einmal kurz schlafen lässt. Stuttgart-Coach Felix Koslowski sprach von einem „kalten Entzug“, seiner Mannschaft sei die Luft weg. Die Statistik wird künftig eine Fußnote führen: 28. Februar 2026, SAP-Arena, 15:13 – der Tag, an dem der Volleyball kurz nicht mehr nur Stuttgart gehörte.