Valter farina starb in st. maarten: der mann, der italiens pokernation erfand
Er war der erste, der die Italiener an die Pokertische von Las Vegas führte – und nun ist Valter Farina mit 74 Jahren in seinem Wahlheimatparadies St. Maarten gestorben. Seine letzte Hand wurde nicht gespielt, sie wurde vom Leben abgeknapst. Und doch bleibt das Blatt, das er 1995 austeilte, ungeschlagen: das erste WSOP-Armband für Italien.
Genueser pionier eroberte seven card stud
1995 zählte das Main Event gerade mal 273 Teilnehmer, Online-Poker war Science-Fiction, und Chris Moneymakers Boom lag acht Jahre in der Zukunft. In diesem Mini-Ökosystem riss Farina im Seven Card Stud-Event den Titel an sich – 10.000 Dollar Preisgeld, unendlich viel Prestige. „Er schlug Stavros Karabinas im Heads-up und schrieb Geschichte“, erinnert sich Max Pescatori, selbst später WSOP-Armband-Gewinner. „Plötzlich wussten wir: Auch wir Italiener können Weltklasse sein.“
Doch der Weg dorthin war steinig. Der gelernte Bankkaufmann aus Genua flog 1987 nach Vegas, weil er in der Heimat an den Cash-Game-Tischen nur lächerliche Stundenlimits fand. „Ich erklärte meinen Eltern, ich würde „Software-Consultant“ spielen“, lachte er später in einem Interview mit PokerItaliaWeb. „Die Software war mein Gehirn, der Consultant war ich selbst.“

St. maarten wurde seine letzte insel
Nach drei Jahrzehnten zwischen Nevada, Panama und Aruba ließ Farina sich auf der niederländischen Karibikinsel nieder – kein Rentner, sondern Turnierjäger. Er setzte sich an die Pot-Limit-Omaha-Tische, weil Hold’em seiner Meinung nach zu sehr „Lotterie“ geworden war. „Variance ist wie ein Hurrikan: Wenn du ihn kommen siehst, suchst du dir ein stabileres Haus“, pflegte er zu sagen.
Seine DNA steckt in einer ganzen Generation. Alessio Isaia, 2010-WSOP-Sieger, postierte ein Foto, auf dem Farina ihn mit 19 Jahren zum ersten Mal in ein Casino führte: „Er gab mir 200 Dollar Startkapital und sagte: ‚Verlier sie mit Stil, dann weißt du, wie teuer das Spiel ist.‘ Ich habe sie vervielfacht – und nie vergessen, dass der erste Vertrauensvorschuss von Valter kam.“
Die Nachricht von seinem Tod erreichte die Community am Freitagabend per WhatsApp-Sprachnachricht eines lokalen Dealers. Innerhalb von Minuten explodierten die Chats: „RIP Valter“ stand in italienischen Poker-Gruppen, gefolgt von Emojis von Armbändern und Händen, die Karten halten.
Italiens Pokerboom der 2000er-Jahre – 23 WSOP-Titel, Weltmeisterschaft 2021 – baut auf seinem Fundament. „Ohne Valter kein Pescatori, kein Isaia, kein Dario Sammartino“, resümiert der Pokerjournalist Dario De Toffoli. „Er war der erste Domino-Stein, der kippte.“
Die Karibikwellen schlagen unverdrossen gegen die Küste von Simpson Bay, wo Farina zuletzt täglich um 15 Uhr im Turtle Pier Casino Platz nahm. Sein Stuhl ist heute leer, der Dealer schlägt trotzdem die Karten aus – und irgendwo zwischen As und König schimmert noch das Armband von 1995, das niemand mehr abschmelzen kann.
