Minister drohen mit polizei-abrechnung: fußball soll für randale zahlen
Die Länder schicken dem Profifußball die Rechnung. Nach rasant steigenden Gewaltfällen drohen Herbert Reul (NRW) und Armin Schuster (Sachsen) den Klubs mit Millionenforderungen für Polizeieinsätze. „Das sind keine Drohungen, das sind logische Konsequenzen“, sagt Schuster. Der Druck steigt – und die Uhr tickt.
Am Mittwoch müssen sich DFB und DFL in einer Krisenvideokonferenz vor allen 56 Profiklubs verantworten. Thema: eine neue Stadionverbots-Richtlinie, die die Länder schon seit Monaten fordern. Reul nennt das bisherige Gezerre „weichgespült“. Verhandelt wird über personalisierte Tickets, bundesweite Bannlisten und kollektive Strafen bei Pyro-Einsatz. Die Fanlager wittern den „Totalkontrollwahn“.
Die Lage ist explosiv. In Magdeburg sitzt ein Anhänger wegen Mordverdachts in U-Haft, nachdem eine Polizistin bei Krawallen lebensgefährlich verletzt wurde. Die Zahl der Verfahren wegen Pyrotechnik stieg laut ZIS-Jahresbericht von 95 auf 114 Fälle. Gleichzeitig sank die Gesamtzahl der Gewaltdelikte – ein Detail, das Politik und Verbände gegeneinander ausspielen.

Die kläger kommen aus dem eigenen lager
Der VfB Stuttgart schickte einen Brandbrief an DFB-Präsident Bernd Neuendorf und DFL-Chef Marc Lenz. Darin fordert Vorstandschef Alexander Wehrle: „Letzte Kompetenz für Stadionverbote muss vor Ort bleiben.“ Auch 1. FC Köln lehnt „pauschale Drohungen“ ab. Die Angst: eine zentrale Kommission in Frankfurt könnte Bannstrafen über alle Ligen verhängen – ohne Gericht, ohne Anhörung.
Die Minister bleiben hart. Reul: „Wenn die Verbände jetzt auf Zeit spielen, stehen wir wieder bei null.“ Schuster setzt Ultimatum: „Neue Regel muss spätestens zur nächsten Saison greifen.“ Bei der Sportministerkonferenz auf Norderney droht der nächste Showdown. Keine Seite will nachgeben. Die Fans planen Protest-Choreografien, die Klubs wollen keine Zusatzkosten, die Länder pochen auf Sicherheit.
Die Wahrheit: Die Gefahr, im Stadion Opfer einer Gewalttat zu werden, liegt statistisch bei 1 zu 22 Millionen – geringer als beim Bierholen am Kiosk. Doch die Politik nutzt jeden Pyro-Funken, um den Profifußball in die Pflicht zu nehmen. Wer am Ende zahlt, entscheidet sich in den nächsten 100 Tagen. Der Countdown läuft – und die Rechnung könnte ein Vermögen kosten.
