Neymar fliegt raus: ancelottis test-kader ohne superstar
Die WM rückt näher, Neymar aber rutscht immer tiefer in den brasilianischen Abstellgleis. Carlo Ancelotti nominierte für die letzten echten Prüfungen vor dem Turnier in Mexiko 2027 weder den 34-jährigen Rekordtorschützen noch einen einzigen Bundesliga-Profi. Stattdessen setzt der Coach auf den 19-jährigen Endrick – ein Jahr nach dessen letztem Länderspiel.

Die trikot-nummer 10 bleibt frei
Der Grund klingt harmlos: „Belastungssteuerung“. In Wahrheit steckt dahinter ein Knie, das seit Oktober 2023 nur noch Kreuzbänder und Muskeln zerreißt. Zuletzt sah Ancelotti Neymar nur 45 Minuten im Stadtderby von Santos, nicht mehr. Dabei war der Coach extra nach Sao Paulo gereist – und dann doch im Maracanã, weil Flamengo-Bubi Lorran dort spielte. Die Symbolik ist unmissverständlich: Die Zukunft trägt keine Haare im Nacken, sondern Schulschuhe.
Die Zahlen sind gnadenlos: 79 Tore in 128 Länderspielen, aber kein einziger Einsatz seit 486 Tagen. Wer so lange pausiert, muss sich fragen lassen, ob er noch Tempo mitgehen kann, wenn Frankreich am 26. März in Lyon bereits nach zehn Minuten presst. Die Antwort liefert Ancelotti schon vor dem Anstoß: Er setzt auf Vinícius, Rodrygo und den neuen Endrick, der bei Lyon gerade erst lernen muss, 90 Minuten durchzulaufen.
Für die Bundesliga bedeutet das: kein Terodde, kein Undav, kein Moukoko. Die deutsche Liga liefert zwar Torschützenkönige, doch Brasilien schaut lieber nach Madrid oder Val-de-Marne. Das ist keine Verschwörung, sondern einfach Marktmechanik. Wer in der ChampionsLeague glänzt, steht auf der Liste – egal ob er gerade in Stuttgart oder Leverkusen trifft.
Neymar selbst spielt sein Pokerspiel weiter. Auf Instagram postet er Trainingsvideos im Sonnenuntergang, dazu Songs von Travis Scott. Die Botschaft: Ich bin noch da. Doch die Realität schaut anders aus. Sein Vertrag in Santos läuft 2028 aus, das Gehalt ist an Auftritte gekoppelt. Jedes Mal, wenn der Klub die Startelf verkündet, zittert ein ganzer Beraterstuhl. Denn wer nicht spielt, verdient nicht – und wer nicht verdient, zieht die Karriere aus.
Die WM in Mexiko wird ohne ihn stattfinden, das ist längst beschlossene Sache. Die Frage ist nur, ob Brasilien dann mit oder ohne neuen Superstar nach Berlin reist. Ende Juli steht das Finale im Olympiastadion. Wenn Neymar dort sitzt, wird es die erste WM seit 2006 sein, bei der er nicht einmal auf der Bank glüht. Und das, obwohl er immer noch zwei Jahre jünger ist als Messi, als Ronaldo, als Modrić. Die Uhr tickt lauter als seine Playlist.
