Utmb erlaubt elternzeit ohne startgeld-verlust – trailrunning bekommt ein herz
400 Läufer*innen haben es bereits genutzt, jetzt zieht die UTMB World Series konsequent nach: Wer Vater oder Mutter wird, kriegt den Startplatz zurück oder darf kostenlos auf ein späteres Jahr umbuchen – egal, ob durch Schwangerschaft, Adoption, Leihmutterschaft oder künstliche Befruchtung. Die Devise: Kind vor Karriere, aber keine Karriere wegen Kind.
Erst reklamiert der kalender, dann schlägt das leben zu
Stefanie legte 2024 alles auf die UTMB: Trainingsplan, Wettkampf-Setup, Anreise fürs Umfeld. Dann der Test – positiv. „Erst dachte ich, ich renne trotzdem“, sagt sie. „Aber irgendwann wurde klar: Der Berg wartet, mein Kind nicht.“ Dank der neuen Eltern-Policy buchte sie kostenlos auf 2026 um. „Heute jage ich nicht mehr nur für mich über die Trails; das Bild meines Sohnes am Verpflegungspunkt ist der stärkste Turbo.“
Die Regelung greift flächendeckend: Beide Elternteile erhalten ihr Geld zurück oder einen garantierten Startplatz für die nächste Ausgabe – auch bei Rennen mit vorheriger Lotterie. Die UTMB Index-Punkte von Profis werden fünf Jahre eingefroren, damit eine Babypause nicht in der Rangliste abgestraft wird.

Ein sport, der endlich mitwächst
Nikolas Lagrange, verantwortlich für Nachhaltigkeit bei UTMB Group, formuliert es nüchtern: „Wir wollen, dass niemand zwischen Startnummer und Familie wählen muss.“ Die trailrunning-Szene gilt als progressiv, doch gerade hier schieden viele Athletinnen nach der Geburt aus. Die Professional Trail Runners Association (PTRA) lieferte Daten dazu, die UTMB liefert jetzt Rahmenbedingungen. „Mutterschaft war lange ein Karriereknick, nicht ein Karriere-Sprungbrett“, sagt PTRA-Vorstandsmitglied und Elite-Läuferin Eszter Csillag. „Das ändern wir jetzt.“
Mehr als ein PR-Gag ist das Programm: Interne Zahmen zeigen, dass 2019 noch rund 60 Prozent der Frauen nach der ersten Schwangerschaft nicht zu Wettkämpfen zurückkehrten – 2023 waren es 34 Prozent. Mit der neuen Policy rechnet die Serie 2025 erstmals mit einem Plus von Rückkehrerinnen.
Trailrunning profitiert davon, dass es kein Stadion-Sport ist: Kinderwagen an Gipfeln sind selten, Familiencamps dafür im Kommen. Die UTMB stellt Zelte für Betreuungsangebote, Partnerhotels bieten Babyphones. Wer die Berge liebt, muss sie nicht mehr gegen Kinderbett und Fläschchen eintauschen – er kann sie einfach später erklimmen.
