Fofana trifft, leao jubelt – ein tor räumt drei probleme aus
Youssouf Fofana schoss den Ball ins Netz, Milan aus der Bedrängnis – und sich selbst zurück ins Gespräch. Sein 3:1 gegen Turin war ein Kunstschuss, aber vor allem ein Knopf, der drei offene Nahtstellen in einem Streich zuzog.
Die szene, die alle fragen verstummen ließ
78. Minute, San Siro zittert noch nach Vlasic’ Anschlusstreffer. Fofana fängt einen zweiten Ball, legt sich die Kugel mit der Sohle zurecht – ein zarter Küsschen – und donnert sie aus 14 Metern ans lange Eck. Keine Chance für Milinković-Savić. Die Nordtribüne atmet durch, die Kabine auch. Denn der Treffer wirkt wie ein Multivitamin: Er schützt vor dem Totalzusammenbruch, kitten den Bruch zwischen zwei Stars und stopft die Lücke im eigenen Selbstbild.
Die Woche war turbulent. Rafael Leao saß wegen muskulären Problemen in der Loge, musste mitansehen, wie seine Rolle im System von Paulo Fonseca schrumpft. Dazwischen: Fofana, der in L’Equipe gestand, dass er sich als „zu schwach“ für eine WM-Teilname fühlt, wenn er weiter vorne spielen muss. Ein Seitenhieb? Nicht direkt, aber ein Stöckchen, das die Medien gern geholt haben.
Dann also der Jubel: Fofana läuft zur Südkurve, streckt die Arme aus und macht Leaos berühmtes „Surfen“-Zeichen – ein Seufzer Richtung Tribüne, ein Kompiment an den Portugiesen. Leao lacht, die Kameras fangen es ein, Instagram explodiert. Kleiner Akt der Versöhnung, große Wirkung.

Allegri nutzt ihn trotzdem als spitzenzahn
Max Allegri liebt Zahlen, aber er liebt noch mehr Spieler, die bereit sind, sich neu erfinden. Fofana war in Monaco noch Taktgeber, bei Milan wird er zum Box-to-Box-Raiber mit Lizenzen zum Torschuss. Die Statistik liefert Widersprüche: 18 Ballverluste im letzten Drittel, dazu schon fünf Torbeteiligungen – ein Hybrid, der sich selbst noch nicht ganz gefunden hat.
Doch genau das macht ihn unverzichtbar. Ohne seine vertikalen Sprintstöße verliert Milans Mittelfeld Aggression. Mit ihm wird das 3-5-2 zu einer Falle, in der Gegner erst gedrückt und dann erledigt werden. Die Kritik der Curva („Togli Fofana!“) verhallte, als der Franzose die Lücke zwischen Inhalt und Ergebnis mit einem Schlag schloss.
Die WM? Sie rückt näher. Didier Deschamps dürste nach Mittelfeldakteuren, die auch mal kurz den Kopf einschalten, wenn der Fuß versagt. Fofana bot gegen Turin den Beweis: Er kann beides – Lenkrad und Kanone. Ob er damit in Katar zum Einsatz kommt, entscheidet sich in den nächsten Wochen. Aber die Tore, die er jetzt schießt, schießen auch ihn ein Stück weit zurück in jene Zone, in der er sich wohlfühlt: ins Spiel, ins Licht, ins Gespräch.
Manchmal reicht ein einziger Schuss, um drei offene Rechnungen zu begleichen. Fofana hat ihn unter Dach und Fach gebracht – und Milan wieder auf Kurs.
