Gidsel schießt füchse ins final4: „ich bin kein elfmeter-gott – nur mental bombensicher“
Er hasst Siebenmeter, traf aber den wichtigsten seines Lebens. Mathias Gidsel jagt mit den Füchse Berlin die Champions League – und schob sich selbst in eine Rolle, die ihn eigentlich gruselt.
35:33 im Shoot-out gegen Veszprém. Einmal mehr liefert der 27-Jährige, wenn Berlin brennt. 13 Tore im Hinspiel, zehn im Rückspiel, dann der fünfte Penalty. Die Berliner stehen zum dritten Mal im Final4 (13./14. Juni in Köln), die Trophäe fehlt noch im Regal des Super-Dänen.
Warum ausgerechnet der schlechte werfer?
Trainer Nicolej Krickau bestätigt die Absurdie: „Bei GOG habe ich ihn mal trainieren lassen – der Ball landete im Bauch des Keepers. Danach hat er nie wieder geworfen.“ Gidsel selbst lacht: „Mehr als drei in meiner Karriere waren es nicht.“
Die Entscheidung fiel schon im Januar. Reihenfolge für mögliche Penalties festgelegt. Platz fünf: Gidsel. Begründung des Trainers: „Ich brauuche den mit der breitesten mentalen Schulter.“
Gidsels Motivation klingt fast banal: „Es musste jemand ran, der damit leben kann, wenn der Ball daneben fliegt. Handball ist nur Platz zwei in meinem Leben, Platz eins ist meine Familie. Mit einem Fehlwurf wäre auch morgen die Sonne aufgegangen.“

Gehirn statt trick
Kein Blick auf Videomaterial, kein Studium des Torhüters. Stattdessen: „Ich hab den ganzen Tag überlegt, wie ich wohl werfen würde. Als ich stand, war ich ruhiger als gedacht.“ Die Devise: links oben. Der Ball landet exakt da.
15 Körper häufen sich auf ihm. Gidsel grinst: „Dann wusste ich, ich hab’s ganz okay gemacht.“
Die Zahlen sprechen trotzdem weiter für sich: 48 Treffer in zwei Viertelfinal-Spielen, 186 Tore in dieser Champions-League-Saison – neuer Vereinsrekord. Bob Hanning, Füchse-Boss, kann nur noch murmeln: „Was soll ich sagen? Das ist Mathias.“
Jetzt fehlt nur noch das letzte Stück Silber. Gegen Barça oder Aalborg wird er wieder zur Zielperson. Vielleicht sogar vom Punkt. Seine Tochter wird zuschauen, seine Freundin, seine Eltern. Und falls erneut alles an ihm hängt? „Dann denk ich wieder: Entweder rein oder nicht – das Leben geht weiter.“
Klare Ansage: Berlin hat einen Weltklasseschützen, der sich selbst nicht für einen hält. Das macht ihn nur noch gefährlicher.
