Ulm dreht acht punkte im finale und schmeißt bonn aus der spur

84:77 – das steht am Ende auf der Anzeigetafel, doch die Ziffern erzählen nur die halbe Wahrheit. Ratiopharm Ulm hat den Tabellendritten Telekom Baskets Bonn in einer Achterbahn-Nacht niedergekämpft, die die Fans in der Neu-Ulmer Arena erst verstummen und dann toben ließ. Die Bonner führten beim Stand von 70:62 noch acht Punkte, doch was folgte, war kein Comeback – es war ein K.o. aus dem Stand.

13 Führungswechsel und ein dunking, das die halle zum beben brachte

Justin Simon klaut Grayson Murphy den Ball, sprintet allein auf den Korb zu und hämmert die Kugel mit beiden Händen durch den Ring. 37:40 – die Arena explodiert. Es ist der Moment, der die Eneriewende einläutet. Bis dahin wirken die Ulmer wie ein Team, das sich selbst im Weg steht: zehn Dreierversuche im ersten Viertel, nur zwei Treffer. Die Baskets dagegen sammeln zweite Wurfchancen wie Pfandflaschen – 16 Offensivrebounds insgesamt, ein Wert, der Ulm-Coach Thorsten Leibenath die Fäuste ballen lässt.

Doch Zahlen lügen nicht, und die lauteste heißt 13: so oft wechselt die Führung in der ersten Hälfte. Es ist kein Basketball-Spiel, es ist ein Schlagabtausch auf 28 Metern Holz. Bonn setzt auf Tempo, Ulm auf Zone, beide Defensiven sind so eng, dass selbst die Scheinwerfer kaum Luft nach oben lassen. „Wir haben uns in der Kabine gesagt: Wenn wir die offenen Würfe kriegen, nehmen wir sie“, sagt Simon später. „Aber wir müssen sie auch treffen.“

Jeff garrett provoziert, mark smith kassiert – und macht den sack zu

Jeff garrett provoziert, mark smith kassiert – und macht den sack zu

Im Schlussviertel wird Jeff Garrett zum Bonner Spielmacher. Zwei Dreier, 23 Punkte insgesamt, dazu das hämische Klatschen in Richtung Ulmer Block. 70:62 – die Gäste scheinen sicherzustellen, dass die Tabellenreihung Bestand hat. Doch dann verliert Bonn den Ball, verliert den Faden, verliert die Nerven. Ulm stellt um auf Manndeckung, zwingt Murphy zu einem Fehlpass – und Smith fängt ihn ab. Die letzten 20 Sekunden sind ein Freiwurf-Festival, das Bonn nicht mehr abwenden kann.

Die Sieger springen sich an den Hals, die Besiegten stapfen mit hängenden Köpfen in die Kabine. In der Tabelle rutscht Bonn auf Platz vier, Ulm klettert auf fünf – nur zwei Zähler trennen die Rivalen noch. „Wir haben gezeigt, dass wir auch mal einen Rückstand drehen können, ohne dass wir dabei hübsch spielen müssen“, sagt Leibenath. „Das gibt uns Rückenwind für Heidelberg – und der Rest der Liga weiß jetzt, dass wir auch dann noch beißen, wenn’s schmerzt.“

Am Sonntag geht’s nach Heidelberg. Für Bonn bleibt die Erkenntnis: Acht Punkte Vorsprung reichen nicht, wenn die Gegner in Ulm leben.