Anto grgic verwandelt seinen 23. penalty in serie und jagt kane
Anto Grgic schiebt den Ball ins rechte Eck, Marvin Keller fliegt links – und plötzlich steht der FC-Lugano-Kapitän in der Top 10 der Jahrhundert-Spezialisten. 23 Elfmetertreffer nacheinander, seit Oktober 2021 hat kein Torhüter mehr seine Zehen berührt.
Der kleine schritt, der keeper irrt
Der Trick klingt banal: drei Schritte Anlauf, dann ein kurzer Stotterrhythmus, die Hüfte deutet links an, der Schläger zieht nach rechts. Doch die Zahlen lügen nicht – 19 verschiedene Schlussmänner haben sich seit der letzten Parade vergeblich den Staub aus den Handschuhen geklopft. Basel-Legionär Marwin Hitz schüttelte den Kopf, Lausannes Thomas Castella fluchte ins Netz, Keller gratulierte nach dem Schlusspfiff: „Er liest mich wie ein Schulbuch.“
Mattia Croci-Torti lacht, als er daran erinnert wird, dass Grgic mindestens dreimal pro Woche Extra-Schichten mit den Ersatzleuten dreht. „Er bestellt die Torhüter zum Frühstück, Mittag und Abendessen“, sagt der Coach. „Dabei filmt er jeden Schritt, schneidet die Videos, analysiert Mikro-Bewegungen. Was wie Routine aussieht, ist Handarbeit.“

Die liste der jäger wird kürzer
Mit 23 Treffern teilt sich Grgic Platz acht mit Sergio Ramos, Max Kruse und Alexandru Maxim. Noch vor ihm lauern Lewandowski (25) und van Hooijdonk (25), dann folgen Ronaldo und Lukaku (je 26). An der Spitze thront Harry Kane mit 31 verwandelten Strafstößen in Serie – ein Vorsprung, der bei der aktuellen Quote des Schweizers nur noch acht Spieltage entfernt scheint.
Grgic selbst wischt die Rechnerei beiseite. „Der Sieg gegen die Young Boys zählt, nicht mein Name in einer Excel-Tabelle“, sagt er, während er seine Stutzen runterzieht. Dann doch ein kleines Schmunzeln: „Aber ich bin nicht abgeneigt, wenn die Serie weiterläuft.“
Am Sonntag wartet St. Gallen. Torhüter Lawrence At-Zigi kennt die Statistik, hat sich drei Stunden Videomaterial reinziehen lassen. Die Frage ist nur: Wer traut sich, wenn der Schiedsrichter auf den Punkt zeigt? Grgic’ letzte Niederlage liegt so weit zurück, dass sie inzwischen in einem anderen Kalenderjahr stattfand. Die Uhr tickt – und sie tickt für alle, die ihn stoppen wollen.
