Tschechien schlägt dänemark im elfmeterdrama und feiert wm-comeback nach 20 jahren

Prag bebt. 19.000 Stimmen schlagen sich die Kehle heiser, als Michal Sadilek den letzten Elfmeter versenkt. Tschechien steht nach 20 Jahren wieder auf der Fußball-Weltbühne – und dieses Mal haben sie sich den Platz erkämpft, nicht geschenkt bekommen.

Das drama in zahlen: 120 minuten, 2:2, 3:1 – und unendlich viel herz

Die Zahlen sind kühl, das Gefühl brandheiß. Nach 120 Minuten stand es 2:2, nach fünf Tagen Halbfinale gegen Irland schon wieder Elfmeterschießen. Diesmal hält Torhüter Jindrich Stanek gegen Rasmus Höjlund, Anders Dreyer und Mathias Jensen. Drei Schüsse, drei Fehlschläge. Auf der Gegenseite verwandeln Antonin Barak, Patrik Schick und eben jener Sadilek. Sauber. Kalt. Entschlossen.

Doch das Spiel war lange offen. Pavel Sulc trifft nach drei Minuten – ein Traumstart, der zur Falle wird. Dänemark gibt nicht auf, Joachim Andersen köpft in der 72. Minute zum 1:1. Verlängerung. Ladislav Krejci schlägt in der 100. Minute erneut zu, Kasper Högh antwortet in der 111. Minute. Die Dänen haben mehr Ballbesitz, mehr Abschlüsse, mehr Moral. Am Ende haben sie nur eines nicht: das Ticket.

Koubeks trick: alte herren, junge beine und ein bundesliga-kern

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Miroslav Koubek hat diese Mannschaft nicht neu erfunden – er hat sie repariert. Mit Patrik Schick als Anker, Vladimir Coufal als Kampfmaschine rechts und Robin Hranac als ruhiges Zentrum. Drei Bundesliga-Profis, die in Prag nicht gespielt haben wie auf der Leipziger Wiese, sondern wie in einem Kessel. Schick jagt, Coufal grätscht, Hranac lenkt. Dahinter Stanek, der Held vom Punkt, der in der 118. Minute noch einen Finger an Dreyers Schuss legt.

Die Taktik ist simpel: früh stören, spät rennen, nie aufstehen. Es funktioniert, weil jeder weiß, was er kann – und was nicht. Sulc darf treffen, weil er in der Quali schon zweimal nachlegte. Krejci darf kommen, weil er in der Verlängerung noch sprintet wie in der 10. Minute. Das ist kein Zufall, sondern ein Plan.

Was jetzt kommt: mexiko, südkorea, südafrika – und ein ganzes land im rausch

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Gruppe A der WM ist kein Traumlos, aber auch kein Albtraum. Mexiko als Gastgeber, Südkorea mit Son Heung-min, Südafrika als Unbekannte. Für Tschechien bedeutet das: drei echte Spiele, keine Schonung. Koubek wird nicht jammern, er wird jubeln. Seine Mannschaft hat bewiesen, dass sie auch zurückliegen kann, dass sie auch mal nicht schön, aber dreckig gewinnt.

In Prag feiern sie bis in die frühen Morgenstunden. Auf dem Wenzelsplatz singen sie „Kde domov můj“, auf dem Altstädter Ring trinken sie Pilsner Urquell aus dem Schuh. In 20 Jahren ist viel passiert – aber dieses Mal ist die WM kein Ziel, sondern ein Neuanfang. Und der beginnt mit einem Elfmeter, der nicht nur ein Tor war, sondern ein Befreiungsschlag.