Wm 2026: 48 teams, 104 spiele – das fußball-fest wird zur dauerbaustelle

Mexiko-Stadt schlägt zurück. Kaum ist das letzte Ticket für die WM-Playoffs verteilt, platzt die nächste Bombe: Die Endrunde 2026 wird mit 48 Nationen nicht nur größer, sondern auch länger, hektischer und teurer – für Spieler, Fans und das Klima gleichermaßen.

Das azteken-stadion eröffnet, new york krönt

Am 11. Juni rollt der Ball im Azteca, dem „Coloso de Santa Úrsula“. Erstmals in der Geschichte der Männer-WM teilen sich drei Gastgeber den Tross: Kanada, USA, Mexiko. Die Eröffnungspartie gegen Südafrika wird zur Demonstration von Macht – und zur Zerreißprobe für die Grünen Rasen in 4.200 Metern Höhe. 38 Tage später fällt im MetLife Stadium von New Jersey der Vorhang. 104 Partien in 16 Städten, ein Drittel mehr als 2022. Die FIFA nennt das „Inklusion“. Kritiker sagen: „Kommerzielle Raserei.“

Die zwölf Vierer-Gruppen sind ein Kompromiss, der niemanden wirklich glücklich macht. Die ersten beiden sind automatisch im Achtelfinale, dazu die acht besten Dritten. Das klingt nach zusätzlicher Chancengleichheit, produziert aber ein Mathe-Rätsel: Schon nach dem zweiten Spieltag kann eine Niederlage „gut“ sein, wenn die Tordifferenz stimmt. Fairplay-Punkte werden zur Währung. Ein 0:0 im letzten Gruppenspiel kann plötzlich zwei Länder retten – und ein drittes ins Aus befördern.

Die verborgenen kosten wachsen mit

Die verborgenen kosten wachsen mit

Der Klimafußabdruck? Explodiert. Laut der FIFA-eigenen Studie von 2022 steigt der CO₂-Ausstoß um 34 Prozent gegenüber Katar. Die Fans reisen quer durch zwei Kontinente, Staffelten zwischen Toronto und Guadalajara, zwischen Los Angeles und Boston. Die Spieler? Sie fliegen zwischen Gruppenspiel und K.o.-Runde bis zu 5.000 Kilometer. Die medizinische Abteilung der DFB-Elf hat schon jetzt ein Krisen-Szenario durchgerechnet: Muskelverletzungen durch Jetlag, Desinfektionsmittel-Mangel in Großstadien, Hitze-Kollaps in der mexikanischen Mittagssonne.

Und die kleinen Fußball-Nationen? Sie jubeln über die Teilnahme, zahlen aber den Preis. Die Vorbereitungs-Budgets steigen um 70 Prozent, weil zwei zusätzliche Testspiele nötig sind, um die erweiterte Kader-Liste von 26 auf 23 Spieler zu validieren. Der Panama-Verband musste für die Qualifikation ein Darlehen aufnehmen. Die FIFA verspricht 1,5 Millionen Dollar Startprämie – fällig erst nach der ersten Partie.

Das Album von Panini kostet 80 Euro, 800 Sticker, 48 leere Felder. Der Preis pro Sticker hat sich seit 2014 verdoppelt. Die Kinder sammeln, die Eltern zahlen. Die WM wird zum Konsum-Marathon, bevor der erste Ball rollt.

Am Ende bleibt eine Erkenntnis: Größer war noch nie automatisch besser. Die 48er-WM ist ein Monstrum, das sich selbst frisst. Die FIFA feiert das Format als „Fußball für alle“. Die Wahrheit lautet: Fußball für alle, die sich die Reise leisten können. Die anderen schauen zu – oder schalten ab.