Tram-crash in rom: zehn verletzte bei kollision der linien 5 und 19

Ein Aufprall, ein Kreischen von Metall, dann Stille. Gegen 7:45 Uhr rissen zwei Straßenbahnen der Linien 5 und 19 auf der Via Prenestina, Höhe Erasmo-Gattamelata, den morgendlichen Berufsverkehr in Rom jäh aus dem Takt. Zehn Fahrgäste erlitten leichte Verletzungen, keiner liegt auf der Intensivstation – das ist das einzige Plus in diesem Bild aus zerbrochenen Glasscheiben und verbeulten Stahlwänden.

Retter und Polizisten waren binnen Minuten vor Ort, absperren, versorgen, dirigieren. Die Feuerwehr rückte mit hydraulischem Scherenzeug an, um eingeklemmte Sitze zu lösen. Die Sanitäter kühlten Prellungen, banden Knöchel, notierten Personalien. Die Via Prenestina war gegen 9:30 Uhr wieder frei – für Roms Pendler eine halbe Ewigkeit, für die Betroffenen ein zitterndes Gedächtnis.

Was die blackbox bereits verrät

Erste Bordcomputer-Auslesen deuten auf Tempo 18 km/h für die Bahn der Linie 5 und 22 km/h für die der Linie 19. Zu schnell für einen Auffahrunfall? Vielleicht. Die Geschwindigkeit allein erklärt noch nicht, warum die Signaltechnik nicht griff. ATAC-Ingenieure sprechen von „ungewöhnlichem Signalverlust“, ein Euphemismus, der bei Verkehrsminister Salvini sofort Alarm auslöst. Er ließ gestern eine Sonderprüfung aller Tram-Depots anordnen – innert 72 Stunden.

Die Betroffenen berichten von einem kurzen Ruck, dann Stille. „Ich habe nur gespürt, wie mein Handy gegen die Stange flog“, sagt Maria L., 34, Bürokauffrau. Sie saß in Reihe drei der Linie 19, trägt jetzt eine Schiene am Handgelenk. Ihre Zeugenaussage wird in den nächsten Tagen vor der Staatsanwaltschaft vernommen – ein kleines Puzzlestück in einem Verfahren, das möglicherweise bis vor das Verkehrsgericht Rom zieht.

Stillstand trotz milliarden-modernisierung

Stillstand trotz milliarden-modernisierung

Die Trasse war erst 2022 komplett saniert worden, 140 Millionen Euro flossen in neue Weichen, Gleise und digitale Stellwerke. Jetzt steht dieselbe Strecke unter Beschuss. Experten wie Verkehrsprofessor Luca Pascucci von der Sapienza Universität sprechen von einem „klassischen Fall von Wartungslücke trotz Investition“. Die Software der Zugsicherung stammt von Ansaldo STS, die Hardware lieferte Hitachi Rail. Beide Konzerne schweigen bislang zu Details – aus „laufender Ermittlung“.

Für die Stadtverwaltung kommt der Vorfall ungelegen. Bürgermeister Gualtieri will die Rom-Tram bis 2026 auf 100 % erneuerbaren Betrieb umstellen, doch jeder Unfall liefert Munition für Populisten, die den öffentlichen Nahverkehr generell als „Risikofaktor“ brandmarken. Die Zahlen sprechen eine andere Sprache: 2023 registrierte ATAC 0,21 Unfälle pro Million Kilometer – unter dem EU-Schnitt. Dennoch zählt jeder einzelne.

Die zehn Verletzten erhalten eine Entschädigung von mindestens 2.500 Euro plus medizinische Nachsorge, das hat ATAC-Chef Gualandi bereits zugesagt. Ob das reicht, um das entstandene Misstrauen zu kitten, wird sich zeigen. Bis die Untersuchungsberichte vorliegen, werden Roms Berufspendler wieder einmal mit dem Taxi rechnen: 18 Euro für die Strecke Torpignattara – Termini, 35 Minuten Stau inklusive. Die Stadt atmet durch – und wartet auf Antworten, die nicht in Form von Pressestatements kommen, sondern auf den Schienen.