Tod vor wm-generalprobe: fan stürzt in azeta-stadion in den tod
Ein Testspiel, das als Fest des Fußballs angekündigt war, endete mit einer Leiche im Innenraum. Kurz vor dem Anpfiff von Mexiko gegen Portugal (0:0) plumpste ein Heimfan aus knapp zwölf Metern Höhe in das leere Foyer der VIP-Etage des neuen Estadio Azeta – und riss den Stadionmitarbeitern noch vor dem ersten Pfiff die Stimmung in den Keller.
Die sekunden, die alles ändern
Zeugen berichten, der Mann habe die Glasbalustrade überklettert, um offenbar einen Bekannten auf der unteren Ebene zu grüßen. Ein Fehltritt, ein Schwanken – und schon war der Körper im freien Fall. Auf dem Beton des Erdgeschosses kam die 33-jährige Cantina-Angestellte Sergio H. aus Guadalajara zum Liegen. Notärzte intubierten noch auf der Stelle, doch die Schädel-Hirn-Traumata waren zu massiv. Die Lebenszeichen erloschen 47 Minuten später im Hospital General.
Was die Videoanalyse der Sicherheitskameras offenbarte, lässt Innenminister Alicia Bárcena schaudern: Die Kippbrücke über dem Abgrund war nicht abgesperrt, die Alkoholkontrolle fiel exemplarisch lax aus – und das, obwohl das Organisationskomitee der WM 2026 das Azeta als Showpiece für die bevorstehende Großveranstaltung präsentiert. „Wir haben eine Arena der Zukunkt gebaut, aber an der Gegenwart gespart“, kommentierte Bárcena sichtlich mitgenommen.

Keine flaschen mehr offen, keine schummelkontrollen mehr
Mexikos Sportministerin Ana Lilia Rivera reagierte binnen Stunden: Ab sofort kein Alkohol in offenen Behältern innerhalb der Sicherheitszone, Lizenzkontrollen für Straßenhändler rund uhr um das Stadion und ein generelles Verkaufsverbot an Minderjährige – auch außerhalb der Arena. Die Maßnahmen gelten bereits für das nächste Testturnier im Juni, wenn Argentinien und Brasilien erwartet werden.
Die FIFA zeigte sich „tief bestürzt“, verlangte aber einen formellen Untersuchungsbericht innerhalb von 30 Tagen. Dabei dürfte die Frage im Raum stehen, wie ein Stadion, das erst 2024 fertiggestellt wurde, derart gravierende Sicherheitslücken aufweisen kann. Experten wie der Stadionbauer Albert Saur aus Hamburg sprechen offen von „Konstruktionspfusch“: „Wenn eine Brücke ohne selbstschließendes Tor einfach offen ist, ist das kein Unfall, das ist fahrlässige Brandstiftung.“
Der mexikanische Verband hüllte sich in juristische Schweigen, ließ aber durchblicken, man erwarte keine Haftungsklagen gegen die Betreibergesellschaft Azeta2030 SA – ein Schachzug, der bei Opferanwälten für blankes Entsetzen sorgt. Denn die Hinterbliebenen von Sergio H. müssten sich demnach mit einer Standard-Entschädigung in Höhe von umgerechnet 8.500 Euro begnügen – in einem Land, wo allein die Beerdigung umgerechnet 3.000 Euro verschlingt.
Für das WM-Eröffnungsspiel in elf Monaten will man nun eine spezielle Fan-Sicherheitszone einrichten: Plexiglaswände statt offener Brücken, ein Alkohollimit von zwei Bier pro Person und mobile Blitzkontrollen mit Atemalkoholmessern. Ob das reicht, um den Schock zu verarbeiten, darf bezweifelt werden. Denn was am Ende von Mexiko gegen Portugal bleibt, ist ein 0:0, das keiner vergessen wird – und eine Leiche, die niemand wird weglockern können.
