Antonelli schreibt geschichte: mit 19 jahren jüngster wm-leader aller zeiten
Ein Fehlstart, ein Lächeln aus Wolff und dann die Attacke: Andrea Kimi Antonelli verwandelte einen misslungenen Start in Suzuka in einen Start-Ziel-Sieg und schraubte sich mit gerade einmal 19 Jahren, 7 Monaten und 4 Tagen an die Tabellenspitze der Formel 1. Kein Mensch war jemals jünger auf Platz eins der WM.
Der bologneser schüler lehrt die champions das fürchten
Was nach einem harmlosen Freitag im April aussah, mutierte in den 53 Runden von Suzuka zur Generalsprobe für die neue Ära. Antonelli rutschte beim Start so stark durch, dass Teamchef Toto Wolff schmunzelnd murmelte: „Der Junge fliegt morgen zurück in die Fahrschule.“ Dann riss der Mercedes-Jüngling das Steuer herum, jagte innert neun Runden von Platz zwölf an die Spitze und kontrollierte das Feld mit der Coolness eines 35-jährigen Routinier.
Die Zahl, die alle sprachlos macht: 19. Die Konkurrenz liest sie und erinnert sich, dass sie selbst mit Mitte 20 noch als Rohdiamanten galten. Lewis Hamilton war 22, als er 2007 erstmals Führungspunkte sammelte; Sebastian Vettel 22 Jahre und 11 Monate; Rekordweltmeister Kimi Räikkönen 23. Antonelli pulverisiert diese Marke um mehr als drei Jahre.
Mercedes selbst staunt. Der Brite mit italienischem Pass fuhr in den ersten beiden Saisonrennen zwei Siege ein – und das, obwohl die Internetschnitzel vor Wochen noch behaupteten, er sei „zu grün für die Königsklasse“. Zu grün? In Suzuka schob er Altmeister Fernando Alonso mit 248 Grand-Prix-Erfahrung auf die Holzbank und ließ Red-Bull-Topspeed verpuffen.

Rekordliste kriegt neuen namen obenauf
Die Statistiker arbeiten bereits die nächste Sensation heraus: Sollte Antonelli in Imola erneut gewinnen, wäre er nicht nur der jüngste Leader, sondern auch der jüngste Doppelsieger der Geschichte. Die FIA-Zentrale in Genf vergleicht intern seine Zeiten mit denen von Max Verstappen, der mit 17 Jahren debütierte, aber erst mit 18 triumphieren durfte – wegen Regelverschärfung.
Die italienischen Zeitungen feiern ihn als „Kimi 2.0“, doch der Vergleich hinkt. Der ursprüngliche Kimi Räikkönen war ein Mann von wenigen Worten; Antonelli twittert nach Rennen länger als er fährt und zitiert Bologneser Gossensprüche. Sponsor Magneti Marelli kündigt bereits limitierte „19-7-4“-Kollektion an – die Zahlen sind Programm und Verkaufsschlager zugleich.
Für Deutschland ein Schock, für Mercedes ein PR-Coup. Seit Mick Schumachers Ausstieg fehlte der deutsche Hoffnungsträger – nun erobert ein Italo-Brite die Herzen. Vor dem Grand Prix von Europa in Barcelona führt Antonelli mit 51 Punkten vor Verstappen (43) und vor seinem Stallrivalen George Russell (38). Die Saison ist zwei Rennen alt und liefert bereits das, wofür andere Serien ganze Jahrzehnte brauchen: einen Paradigmenwechsel.
Die Königsklasse hat ihren jungen König – und der hat keine Lust zu warten.
