Stadionkamera packt aus: so brutal lief der wiener derby-krawall auf

Sechs Randalierer sitzen weiterhin auf der Anklagebank, zwei weitere Verfahren wurden gestern ausgegliedert – und die Videoanalyse liefert die nächsten Schläger in Nahaufnahme. Der Prozess um den Platzsturm beim 343. Wiener Derby zwischen Rapid und Austria im September 2024 nimmt Fahrt auf.

Die Richterin ließ die Allianz-Stadion-Kameras an diesem Vormittag durchlaufen. Bild für Bild zogen die Szenen vorbei: Pyro, Fausthiebe, Tritte, Polizisten als Zielscheibe. „Er ist hier sehr gut in der Menge zu erkennen“, kommentierte sie die Silhouette des Viertangeklagten. Verteidigerin Pia Kern konterte trocken: „Aber nicht ganz vorne.“

Trainer als zeuge – ein trick der verteidigung?

Kern will Rapid-Coach Robert Klauß und Co-Trainer Stefan Kulovits ins Zeugenstand-Zentrum zerren. Ihre These: Die beiden könnten Licht ins Dunkel bringen, wer wann wo auf dem Rasen stand. Die Staatsanwaltschaft hält dagegen, dass die Bilder allein schon belasten. Ihr Begriff vom „quasi kriegsähnlichen Zustand“ hängt seit Prozessauftakt über dem Saal.

Die Verletztenliste liest sich wie ein Feldhospitalbericht: eine Beamtin mit Brandwunden, ein Kollege mit Knalltrauma und Tinnitus, ein weiterer mit abgebrochenen Zahnfragmenten. Ein Fan erlitt Jochbein-, Augenhöhlen- und Nasenbeinbruch – alles in einem einzigen Handstreich.

Diversion nur für makellose – die härte der richterin

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13 Beschuldigte kauften sich mit 150 Euro Verfahrenskosten plus 50 Euro symbolische Wiedergutmachung an Rapid und einen verletzten Polizisten frei – zweijähriges Stadionverbot inklusive. Die verbliebenen sechs Angeklagten sind vorbestraft oder polizeibekannt, daher kein Deal. Für sie droht Anklage wegen schwerer gemeinschaftlicher Gewalt und Widerstand gegen die Staatsgewalt.

Die zwei neu ausgegliederten Verfahren kommen am 8. April dran. Dann wird auch Klauß voraussichtlich aussagen müssen. Bis dahin bleibt Rapid ohne Heimfans in den nächsten drei Top-Spielen – ein Nebenschauplatz, der den Klub aber kaum kühlt. Die Bilder aus dem Allianz-Stadion sind ein PR-Desaster, das sich nicht mit Punktabzug berechnen lässt.

Die Kamera lügt nicht. Und sie erinnert daran: Wer auf dem Rasen randaliert, landet früher oder später vor Gericht – oder auf der Intensivstation. Mehr ist dazu nicht zu sagen.