Sinner bezwingt fonseca in zwei tiebreaks und steht in indian wells im viertelfinale
Es war kein Spaziergang. Jannik Sinner hat am Dienstag beim Masters 1000 in Indian Wells gegen den 19-jährigen Brasilianer João Fonseca alles abverlangt bekommen – und trotzdem gewonnen. 7:6 (8), 7:6 (4) nach zwei Stunden und zwei Minuten. Zwei Tiebreaks, drei abgewehrte Satzbälle im ersten Durchgang, ein fast verspieltes 5:2 im zweiten. Wer dachte, das sei eine ruhige Angelegenheit für die Nummer zwei der Welt, hat den falschen Match geschaut.
Der erste satz: sinner kämpft sich zurück
Fonseca begann, als hätte ihm niemand gesagt, wer auf der anderen Seite des Netzes steht. Sein Vorhand-Winner fliegt mit über 160 km/h, sein Aufschlag erreicht Spitzen von 225 km/h – und das mit einer Variabilität, die selbst einen Rückschlagspezialist wie Sinner ins Grübeln bringt. Auf 3:3 gab es die erste Breakchance für den Südtiroler, die Fonseca aber problemlos abwehrte. Auf 4:4 eine zweite – wieder weg, diesmal mit einem zweiten Aufschlag jenseits der 190 km/h. Der Brasilianer ließ sich nicht einschüchtern.
Im Tiebreak drehte Fonseca auf. Beim Stand von 3:2 aus seiner Sicht schnappte er sich zwei Minibreaks und hatte plötzlich drei Satzbälle. Sinner rettete zwei davon auf eigenem Aufschlag. Den dritten warf Fonseca selbst weg – eine zu lange Vorhand, Nerven pur. Danach schlug Sinner vier Punkte in Folge heraus, sicherte sich den Satz mit 8:6 im Tiebreak. Ein Comeback, das Klasse verrät.

Kurze auszeit für nerven: der streit mit den zuschauern
Kurz vor dem Tiebreak des ersten Satzes passierte etwas, das man von Sinner selten sieht. Er unterbrach das Spiel und beschwerte sich lautstark bei zwei Zuschauern, die während eines Ballwechsels redeten. Für den sonst so kontrollierten Südtiroler ein ungewöhnlicher Moment – aber einer, der zeigt, wie hoch die Anspannung in diesem Match war.

Zweiter satz: fast-katastrophe auf 5:2
Alle warteten auf den Zusammenbruch des Brasilianers. Der kam nicht. Fonseca blieb drin, hielt das Niveau, und Sinner seinerseits servierte stark – am Ende 15 Asse, 59 Prozent erster Aufschlag. Auf 3:2 für Sinner schien die Partie zu kippen: Doppelfehler von Fonseca, zwei Breakbälle. Den ersten rettete der Brasilianer mit einem Stoppball nach einem 23-Schläge-Rallye. Den zweiten nicht – Sinner schlug eine Rückhand-Antwort in den Körper, Fonseca ins Netz.
Auf 5:2 schien alles klar. War es nicht. Sinner servierte zum Matchgewinn – und spielte einen katastrophalen Aufschlagspielgewinn. Fonseca antwortete mit einem Traumgame, holte den Break zum 5:5. In weniger als zehn Minuten hatte der Brasilianer zwölf der letzten vierzehn Punkte gewonnen. Alles offen.
Zweiter Tiebreak. Auf 2:2 verschlug Sinner einen Ball und schenkte Fonseca den Minibreak. Der Brasilianer revanchierte sich sofort mit einer Vorhand ins Netz. Auf 4:4 traf Sinner zweimal die Linie – 5:4, dann 6:4. Zwei Matchbälle. Den ersten nutzte er mit einer präzisen Rückhand-Antwort. Schluss.
Was dieser sieg über fonseca wirklich bedeutet
Fonseca ist kein gewöhnlicher Gegner mehr. Sein Vorhand-Schlag macht Angst – echte Angst, nicht die Sorte, die man höflich erwähnt. Er wird kommen, er wird gewinnen, er wird sowohl Sinner als auch Alcaraz das Leben schwer machen. Aber nicht heute. Noch nicht. Diese Partie hat in den entscheidenden Momenten gezeigt, wo der Unterschied noch liegt: nicht in der Schlagkraft, sondern in der Fähigkeit, unter Druck den Kopf zu behalten.
Für Sinner sind es die dritten Viertelfinalteilnahmen in Indian Wells in seiner Karriere. Als nächstes wartet Learner Tien – ein weiteres junges Talent, das keine Ehrfurcht kennt. Sinner kennt das mittlerweile gut. Und er weiß, wie man damit umgeht.
