Silber dank chatgpt: der ukrainische biathlet, der mit ki trainiert
Maxim Muraschkowski schreibt Paralympics-Geschichte – und seine wichtigste Trainingspartnerin ist keine Mensch. Der 25-jährige ukrainische Biathlet sagt offen: „ChatGPT war die Hälfte meines Trainingsplans.“ Die Silbermedaille im Einzel der Sehbehinderten bei den Winterspielen 2026 hängt laut ihm an einem Algorithmus.
Gold im januar, silber im märz – die ki-kurve steigt
Schon im Weltcup Szklarska Poreba-Jakuszyce zeigte er, was passiert, wenn Code und Schneekristalle verschmelzen. Drei Medaillen, darunter Gold, holte er Mitte Januar. Danach lud er das Protokoll seiner Gespräche mit dem Chatbot herunter und schickte es an den Bundestrainer. Die Antwort: „Mach weiter, aber lüg nicht über die Herkunft deiner Trainingspläne.“
Muraschkowski nutzt die KI als Psychologen, als Ernährungsberater, als Nachtwächter, wenn er auf Hochhäusern in der Ukraine wegen der Sirenen nicht schlafen kann. „Ich frage: Wie reduziere ich Cortisol in vier Stagen? Die Antwort kommt in 3,2 Sekunden, mit Fußnoten zur Literatur.“ Das klingt nach Sci-Fi, ist aber Alltag in einem Sport, in dem 0,3 Sekunden über Podest oder Platzierung entscheiden.
Der Preis für diese Hilfe: null Euro. Das ist für kleine Verbände ein Faktor. Kein Flug für einen Mentalcoach, kein Honorar für einen Ernährungswissenschaftler. Stattdessen ein Smartphone, 20 Euro Datenvolumen, fertig. Die Ukraine kann sich das leiden, andere Randsportnationen auch. Der Verband von Kasachstan testet bereits eine KI-Taktik-App für Skilangläufer. Der Senegal baut digitale Sprachassistenten für Rollstuhlbasketballer. Der sportliche Globus verlagert sich ins Cloud-Genick.

Die kehrseite: chemie, biologie – und jetzt algorithmus
Muraschkowski weiß, dass seine Erfolgsstory Schatten wirft. „Wie bei Chemie oder Biologie: Manche nutzen es für Gutes, manche für Schlechtes.“ Er fürchtet Manipulationen: Daten, die Athleten verschleiern, Programme, die Dopingpläne optimieren. Welt-Antidoping-Agentur und IPC haben bereits Arbeitsgruppen gegründet. Die Frage lautet nicht mehr, ob jemand mit KI betrügt, sondern wie schnell man es nachweisen kann.
Trotzdem will er weitermachen. „Nicht vollständig in den nächsten fünf bis zehn Jahren“, schätzt er, „aber teilweise – definitiv.“ Seine Silbermedaille wiegt 528 Gramm. Das Gewicht der Daten, die ihn dahin brachten: 312 PDF-Seiten, 1.847 Chatprotokolle, 92 Nächte mit Kopfhörern. Gold wird nächstes Mal drin sein, sagt er. Dann holt er sich die Antwort einfach abermals aus der Cloud – und schiebt das Gewehr an.
