Nagelsmann holt alte kampfgefährten: schreuder rückt an die seitenlinie

Die deutsche Fußballnationalmannschaft bekommt einen zweiten Blick aufs Spielfeld. Alfred Schreuder, 53, springt sofort ins Mannschaftsgeflimmer und verstärkt Julian Nagelsmanns Stab bis zur WM 2026. Die Verpflichtung ist kein Paukenschlag, sondern ein kalkulierter Schachzug: Die beiden kennen sich aus gemeinsamen Hoffenheimer Tagen, als Nagelsmann Chef und Schreuder Assistent waren. Jetzt dreht sich die Rollentreppe.

Warum der doppelt besetzte job sinn macht

Der Plan steckt in Nagelsmanns Worten: Standards sollen zur Chefsache werden. Mads Buttgereit, bisheriger Analyst, darf sich künftig rund um Eck- und Freistoßvarianten verbeißen, während Schreuder das Großfeld organisiert. Die Trennung der Aufgaben wirkt wie ein Softupdate für den bisherigen Trainercomputer: mehr Rechenpower für Details, die in Katar 2022 noch der Fehlerteufel war.

Schreuders Vita liest sich wie eine Komplettlösung für Turnierdruck. Mit Barcelona gewann er den Pokal, mit Ajax das Double, mit Brügge die belgische Meisterschaft. Dazwischen: ein Intermezzo als Chefcoach in Hoffenheim – direkt als Nachfolger von Nagelsmann. Jetzt treffen sie wieder im DFB-Dress aufeinander, nur mit gemeinsamem Ziel statt internem Kräftemessen.

Die erste feuerprobe kommt schnell

Die erste feuerprobe kommt schnell

Bereits am 27. März in Basel gegen die Schweiz und drei Tage später gegen Ghana in Leipzig muss die neue Doppelsteuerung funktionieren. Es sind Testspiele, die mehr wollen als nur Test sein: Sie markieren den Startschuss für ein Turnier, das in den USA, Mexiko und Kanada über 16 Stadien verteilt wird – und bei dem laut Schreuder „jeder Meter am Trainingsplatz zählt“.

Die Kostenfrage bleibt offiziell ungenannt. Doch wer die Ticketpreise für die WM 2026 gesehen hat, ahnt: Der Verband investiert nicht nur in Stars, sondern auch in Struktur. Mit Schreuder holt sich der DFB einen Mann, der europäischen Erfolg gelernt und arabische Herausforderung überstanden hat – zuletzt trainierte er Al-Diraiyah FC in Saudi-Arabien. Dort galt Wüstenhitze, hier nun Druckwelle.

Für Nagelsmann ist Schreuder keine Notlösung, sondern eine Erinnerung an eigene Anfänge. „Sein Mut und Fachwissen haben mich damals beeindruckt“, sagt er über die gemeinsame Zeit in Hoffenheim. Diese Wertschätzung ist wechselseitig: Schreuder spricht von einer „großen Ehre“. Klingt nach Schulterklopfen, ist aber die Basis für eine Arbeitsweise, die auf Vertrauen statt auf Hierarchie setzt.

Wenn die Nationalmannschaft im Sommer 2026 ins Eröffnungsspiel läuft, wird Nagelsmann nicht mehr allein an der Seitenlinie stehen. Schreuder wird neben ihm stehen, Buttgereit mit Laptop auf der Tribüne. Drei Köpfe, ein Ziel: den Titel. Und vielleicht ist es genau diese kleine Umstrukturierung, die den Unterschied macht zwischen dem, was 2022 schiefging, und dem, was 2026 gelingen soll. Die deutsche Fußballgeschichte schreibt sich neu – mit altbekannten Gesichtern an neuen Stellen.