Serie a im zwielicht: 194.000 euro für after-orgien – keine anklage
Mailands Nachtleben schlägt wieder zurück in die Liga. Mehr als 70 Profis von Inter, Milan, Juventus, Sassuolo und Verona zahlten über 194.000 Euro an die Eventagentur Ma. De Milano, um in Nobelrestaurants, Penthouse-Suiten und exklusiven Clubs zu feiern – inklusive Escort-Service und Lachgas. Die Staatsanwaltschaft Milan ermittelt wegen Ausbeutung und Förderung von Prostitution, doch die Spieler bleiben strafrechtlich unbehelligt: Ihre Namen sind vollständig geschwärzt, weil kein konkretes Verhalten vorliegt.
Der ablauf: restaurant, suite, ballongas
Die Handynachrichten der Organisatoren sind längst Beweisstück. „Wir sind im Duca, im ME Milan, wir brauchen Ballons. Ich bin mit …“, schreibt ein Spieler. Antwort: „Okay, ich schicke jemanden.“ Minuten später liefert ein Kurier Lachgasflaschen in die Fünf-Sterne-Suite. Die Rechnung folgt per WhatsApp, beglichen von Konten, die Klubfarben tragen könnten.
Die Ermittler buchen die Transaktionen zusammen: 194.000 Euro direkt von Spielern, dazu 1,2 Millionen Euro Gesamtumsatz der angeschlossenen Diskothek Pineta Milano, wo die Truppe fast jede Woche auftauchte. Das Geld floss an die Agentur in Cinisello Balsamo, die Mädchen vermittelte, Zimmer reservierte und für Diskretion sorgte.

Kein delikt, nur imageschaden
Die italienische Rechtsprechung sieht in der bloßen Nutzung eines Escort-Service kein Straftatbestandsmerkmal – solange keine Zuhälterei oder Minderjährige im Spiel sind. Deshalb bleibt die Anklage gegen die Spieler aus. Die Liga aber bekommt das Problem, das sie gerne ignoriert: Ihre Stars finanzieren ein lukratives Schattennetzwerk, das sich auf ihre Anonymität verlässt.
Die Klubs schweigen bislang offiziell. Intern flattern Memos herum: Appelle an die Moralklauseln, Verweise auf Sponsorenverträge, Androhung von Geldstrafen. Effekt wird kaum messbar sein. Denn solange das Stadion voller ist und die Trikots über den Ladentisch fliegen, bleibt die Nacht ein Privatvergnügen – bezahlt mit Monatsgehältern, die einen normalen Fan ein Leben lang arbeiten lassen.
Die Zahlen sind präsent, die Namen bleiben im Dunkeln. Aber die Rechnung ohne Imageschaden wurde längst präsentiert – und die zahlen am Ende alle, die den Sport ernst nehmen.
