Schenderlein drängt sportfördergesetz durch – athleten droht leere kuh
Die Insel Norderney war gestern ein einziges Gewitter aus Presseblitzen. Christiane Schenderlein trat vor die Mikros, lächelte stramm und verkündete: „Der Entwurf ist reif fürs Parlament.“ Kaum hatte sie es gesagt, knallte es auch schon aus Athleten Deutschland zurück: „Reif ist nur die Kuh, die man melken will.“
Die CDU-Ministerin spielt auf Zeit. Die letzte Ressortprüfung endet heute, Freitag. Wenn keine Ministeriumsschranke mehr blockiert, könnte das Kabinett schon nächste Woche zustimmen. Dann geht der Zug in den Bundestag – und dort kann sich jede Fraktion noch neue Karten ziehen. Schenderlein betonte das gern: „Parlamentarisches Verfahren bedeutet: nichts in Stein gemeißelt.“ Klingt wie ein Garant, ist aber ein Placebo. Die Mehrheit sitzt im Koalitionslager, und die hat sie sich gesichert.
Dosb bekommt drei sitze – athleten gehen leer aus
Der Knackpunkt sitzt im Stiftungsrat der geplanten Spitzensportagentur. Dort rutscht der Deutsche Olympische Sportbund von einem auf drei Mandate auf. Die Politik behält sechs Posten. Athleten Deutschland? Null. „Ein Schlag ins Gesicht“, sagt Vorstand Johannes Herber. „Unabhängigkeit sieht anders aus, wenn der DOSB sich selbst kontrolliert.“
Schenderlein wischt das mit dem Satz weg, sie habe die Athletenthemen „gut aufgegriffen“. Was heißt „gut“? Das neue Gesetz erlaubt individuellere Förderung – aber wer darüber entscheidet, steht nicht in Paragraph eins, sondern im Kleingedruckten der Stiftungssatzung. Und da sitzen künftig dieselben, die schon heute über Zuschüsse und Leistungszentren buchstabieren.
Die Ministerin schwört auf „echte Unabhängigkeit“, doch das Wort zerfällt beim zweiten Hinsehen. Unabhängig von wem? Vom Sportfachpersonal? Von der Politik? Die Antwort lautet: von den Athleten. Die sollen künftig zwar „individueller“ gefördert werden, aber nur, wenn ihre Anträge durch eben jene Gremiengänge laufen, in denen sie kein Stimmrecht haben.

Reform ja – aber auf wessen rücken?
Der Zeitplan ist eng. Olympia 2036 in Deutschland winkt als Etappenziel. „Wir brauchen eine Spitzensportreform, sonst stehen wir vor leeren Rängen“, sagte Schenderlein. Das ist richtig. Nur: Wer die Reform zahlt und wer sie lenkt, das entscheidet sich jetzt – und die Richtung zeigt nach oben, weg von der Basis.
Der Bundestag kann noch einschreiten. Ein einziger Änderungsantrag, der Athleten ein Vetorecht im Stiftungsrat einräumt, würde das Blatt drehen. Ob die Fraktionen den Mut aufbringen? Die Lobby sitzt bereits im Palais. Athleten Deutschland hat keine eigenen Flure in Berlin, nur eine Stimme – und die wird leiser, je weiter der Zug rollt.
Am Ende bleibt ein fader Beigeschmack. Das Gesetz trägt den Namen „Förderung“, doch die Athleten bekommen vor allem ein Angebot: Fördert euch selbst. Die Ministerin ist fertig mit ihrem Manuskript, die Kameras abschalten, das Meer rauscht. Wer zuhört, hört keinen Jubel – nur das Geräusch von Türen, die sich schließen.
