Keßen flüchtet vor abstieg – rückkehr nach oldenburg bereits perfekt
Marcel Keßen packt schon mal die Koffer. Während die MLP Academics am Abgrund der BBL kratzen, plant der 2,07-Meter-Center heimlich seine Ausreise – Richtung EWE Baskets Oldenburg, wo er zwischen 2016 und 2020 schon einmal die Kreide gefressen hat.
Der Deal steht seit Tagen, wie Sport BILD exklusiv erfuhr. Der Vertrag läuft über mehrere Jahre, das Gehalt steigt spürbar. Eine beidseitige Ausstiegsklausel in Heidelberg, die der 29-Jährige nach der Entlassung von Trainer Danny Jansson zieht, macht den Weg frei. Bis 2027 wollte er ursprünglich noch bleiben. Doch die Spielzeit glich einer Seuche: nur vier Siege, Platz 17, 1500 Euro Strafe wegen des Mittelfingers nach dem Gladiators-Triumph in Trier. Keßen reicht’s.

Oldenburg zahlt, heidelberg zittert
Für die Academics wird die Nachricht zur Zerreißprobe. Ohne ihren besten Rebounder und Publikumsliebsten droht der freie Fall. Die Aufstellung der Gegner liest sich wie ein Horrorprogramm: Bamberg, Ulm, Bonn – alles Teams, die sich für die Play-offs warmmachen. Trainer Aleksandar Zecevic muss nun mit jugendlichen Ersatzleuten improvisieren, während der Verein um Sponsorengelder und TV-Präsenz bettelt.
Keßen selbst schweigt öffentlich. Intern kursiert das Mantra: „Erst Klassenerhalt, dann Abschied.“ Doch wer ihn kennt, weiß: Der Hagener hasst Niederlagen mehr als kalten Kaffee. In der Halle trainiert er weiter auf vollen Touren, schiebt Extragewichte, presst seine Mitspieler, als gäbe es kein Morgen. Denn egal wie sehr die Fans in Oldenburg schon mit Postern winken – ein Absteiger mit dem Stigma der Pleite im Gepäck verliert an Marktwert.
Die Zahlen sind gnadenlos: 17,8 Punkte, 9,4 Rebounds im Schnitt – Keßen trug 27 Prozent der Heidelberger Wertpunkte. Entzieht er diese Produktivität, bricht die Statistik ein. Und mit ihr vielleicht die ganze Saison.
Am Samstag um 18.30 Uhr steht er erneut im Fokus. Bamberg reist an, mit Topscorer Olinde und dem frisch gehandelten US-Playmaker Thompson. Die Arena an der Berliner Straße wird bis auf den letzten Platz gepackt sein. Ein Sieg hält die Academics auf Tuchfühlung zum rettenden Rang 16, eine Niederlassung würde die Abstiegszone auf zwei Siege anschwellen lassen. Für Keßen ist es ein Abschiedsspiel vorzeitig – mit dem Zeigefinger statt des berüchtigten Doppelstinkes.
Oldenburg indes plant schon die PR-Kampagne: „Der Rückkehrer“ steht auf den Entwürfen. Geschäftsführer Jörg Hitzemann schickt interne Mails mit dem Betreff „K-Team komplett“. Gemeint ist das Duo Keßen/Krämer, das vor sechs Jahren schon einmal gemeinsam die Play-offs rockte. Die Fans im Baskets-Campus träumen von Top-Vierteln, von EuroCup-Abenden und neuen Trikots mit altbekanntem Namen auf dem Rücken.
Doch zurück in Heidelberg tickt die Uhr. Drei Spiele, neun Tage, eine Saison. Wenn Keßen und Co. nicht mindestens zwei Mal gewinnen, wird die BBL zum Schauplatz eines historischen Abstiegs. Und der Center? Der kann dann mit sauberem Gewissen an die Hunte fahren – mit mehr Geld, weniger Druck und der Gewissheit, dass er in der Geisterstunde der Academics noch einmal alles gegeben hat.
Die Liga ist ein Geschäft, der Sport bleibt ein Herzstück. Um 20.30 Uhr am Samstag wird sich zeigen, ob dieses Herz noch schlägt – oder ob die gespaltene Loyalität den finalen Riss reißt.
