Scariolo zieht bilanz: madrids dna wächst ohne publikum

Ohne Anhang, aber mit Anspruch: Real Madrid besiegt Hapoel Tel Aviv 92:83 und schläft als Dritter in der EuroLeague. Sergio Scariolo lobt danach keine einzelne Sternreihe, sondern eine Mannschaft, die endlich wieder weiß, wer sie ist.

Defense statt dekibel

Ein leerer Movistar Arena ist normalerweise ein Vorteil für Gäste. Gegen Tel Aviv wurde er zur Prüfung. „Wir mussten die Seele selbst von der Bank bringen“, sagt Scariolo. Seine Spieler antworteten mit einer Defensivleistung, die selbst offene Würfe der Israelis wie Störfeuer wirken ließ. Zwar landeten nur 31 % der Dreier, doch die Intensität war der eigentliche Score.

Der Coach spricht von „hohem Niveau“ und „gutem Kriterium“. Dahinter steckt eine Erkenntnis: Madrid hat in den letzten Wochen nicht nur gewonnen, sondern gelernt, ohne Lärm zu gewinnen. Das ist in der Euroliga ein Asset, das sich im Mai in Kaunas auszahlen könnte.

Die chemie kommt nicht vom chemielabor

Die chemie kommt nicht vom chemielabor

Scariolo betont seit Wochen, dass seine Rotation längst keine Testphase mehr ist. Gegen Tel Aviv wechselte er zehn Mal, ohne dass die Energie sank. Grund: Die Non-Scorer wissen inzwischen, wann sie zu sprinten haben. Die Scorer wissen, wann sie den Ball freigeben müssen. Ein Ballett ohne Bühnenbild, aber mit Timing.

Beobachter orten seit November einen Klebstoff, der früher fehlte. Die Statistik bestätigt: Madrid kassierte in den letzten fünf Partien durchschnittlich 78 Punkte – neun weniger als im Oktober. Der Schnitt ist kein Zufall, sondern Arbeitsnachweis.

Nächste woche droht efes – und der schrumpfkopf

Nächste woche droht efes – und der schrumpfkopf

Donnerstag gastiert Anadolu Efes, Tabellenletzter, aber immer noch ein Architekt aus Stars. Scariolo warnt vor „Bedrohung“, nicht vor Platz 16. Er weiß: Efes trägt die gefährliche Last der Leere. Madrid hingegen trägt die Last der Erwartung, endlich oben zu bleiben. Beide Lasten wiegen gleich schwer.

Real schläft als Dritter, doch der Abstand zu Platz sieben beträgt nur zwei Siege. Die Tabelle täuscht über die tatsächliche Drucklage hinweg. Madrid muss gewinnen, um nicht wieder in den Play-in-Strudel zu geraten. Efes muss gewinnen, um nicht Geschichte als größter Kollaps der Liga zu schreiben.

Scariolo nimmt sich selbst aus der Schusslinie. Er gratuliert jenen, „die keine defensive Berufung haben“. Das ist Chefetage für: Ich habe sie gelehrt, dass auch ein Triple nichts wert ist, wenn man hinterher sprinten muss. Madrid ist nicht mehr nur ein Club, er ist ein Kurs. Und der endet nicht mit einem Sieg gegen Tel Aviv, sondern erst, wenn in Berlin die Netze zittern.