Kai häfner knallt tore wie ein 20-jähriger – und alfred gíslason beobachtet heimlich mit
202 Treffer wirft er für Stuttgart, nur Weltstar Mathias Gidsel trifft öfter – und trotzdem sitzt Kai Häfner zuhause, während die Nationalmannschaft gegen Ägypten testet. Die Rechnung klingt verrückt, ist aber einfach: Der 36-Jährige sagte im Dezember ab, weil er kein Turnier riskieren wollte. Alfred Gíslason nahm die Absage entgegen, ließ aber einen Satz zurück: „Wenn’s brennt, rufe ich dich mitten im Turnier an.“
Warum gíslason heimlich den radar anstellt
Der isländische Bundestrainer spricht nicht gern über Altstars, aber beim Namen Häfner hellt sich seine Stimme auf. „Das Thema ist für mich sehr interessant“, sagt er zwischen zwei Trainingseinheiten in Berlin. Intern liege ein verdammt dickes Häfner-Dossier auf seinem Schreibtisch. Gespräche gab es, klar. Nur: Der Linkshänder wollte sich nicht versprechen, er wollte keine leere Zusage geben. Also blieb alles in der Schwebe.
Die Szene kennt diesen Zustand. Linksaußen, Rechtsaußen – überall stehen junge Sprinter wie Renars Uscins oder Franz Semper parat. Doch die Zahlen lügen nicht: In der HBL gibt es gerade mal zwei deutsche Rückraumwerfer, die regelmäßig 20-Tore-Marke knacken. Einer ist Gidsel, der andere Häfner. „Wir haben in Deutschland momentan nicht so viele“, sagt Gíslason und klingt dabei, als hätte er Zahnschmerzen.

Die mentale bremse und der plan b
Häfner selbst schwankt zwischen Lust und Respekt vor dem eigenen Körper. Die Belastung eines Turniers ist ein anderes Kaliber als der Liga-Alltag. Er weiß, dass eine verpatzte EM-Teilnahme sein letztes Kapitel wäre, statt dessen will er nur dann einsteigen, wenn er 100 Prozent bringen kann. Genau diese Haltung überzeugt Gíslason. „Er ist ein klasse Spieler und ein klasse Typ“, sagt er und klingt fast wie ein Fan.
Die Tür bleibt offen, weil sie gar nicht erst zugeschlagen wurde. Kein Brief, kein Fax, kein offizielles Ende. Stattdessen: WhatsApp-Sprachnotizen, kurze Checks, ein „Wie fühlst du dich?“ alle paar Wochen. Häfner antwortet mit Tor-Statistiken. Gíslason antwortet mit Daumen-hoch-Emojis. So läuft das zwischen 50-Jährigen und 36-Jährigen, die beide wissen, dass eine Krise in der Vorrunde schneller kommt als ein neues Talent.
Die ironische Pointe: Während Gíslason in Berlin junge Flügel testet, schraubt Häfner in Stuttgart die nächsten sieben Tore rein. Die Fans rufen nach ihm, die Zeitungen malen Szenarien, doch im stillen Kämmerlein ist schon klar – wenn das Handy klingelt, ist er bereit. Keine Fanfare, keine Pressekonferenz, nur ein Flüstern: „Pack dein Trikot ein.“ Manchmal ist das der ehrlichste Weg zurück in die Nationalmannschaft.
